Schavan: "Es muss für die Betriebe leichter werden auszubilden."
Hintergrund der Reform ist unter anderen, dass sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt wieder verschlechtert und sich die Schere zwischen Ausbildungsplatznachfrage und Ausbildungsplatzangeboten in den kommenden Jahren weiter öffnen wird. So konnten dem Bericht zufolge im Ausbildungszeitraum 1. Oktober 2004 und 30. September 2005 zwar bundesweit 550 180 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen werden. Das waren jedoch 22 800 oder vier Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Für 2006 rechnet die Ministerin mit einem weiteren Anstieg der Nachfrage auf insgesamt 593 000 Ausbildungsplätze. Das wären noch einmal 2000 Jugendliche mehr als 2005. Zugleich erwartet die Bundesregierung, dass die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze in dieser Zeit weiter sinken wird.
Vorrangige Aufgabe sei es, allen Jugendlichen die Chance auf eine Ausbildung zu geben, so Schavan gestern in Berlin. Der seit 2003 bestehende Ausbildungspakt sei deshalb weiter sinnvoll und "ein wichtiges Signal". Er werde deshalb über 2007 hinaus verlängert werden. Dieser Pakt könne jedoch die "strukturellen Probleme" nicht lösen und reiche angesichts der steigenden Zahl von Jugendlichen, die eine praktische Berufsausbildung anstreben, allein nicht mehr aus, die Nachfrage nach Lehrstellen zu befriedigen. Laut Schavan zeigt der Berufsbildungsbericht, dass "die duale Berufsausbildung nach wie vor den überwiegenden Teil der jungen Generation in Deutschland den Zugang zu einer qualifizierten Berufstätigkeit eröffnet".
Um bestehende Mängel und Lücken bei der beruflichen Bildung nachhaltig zu beseitigen, habe sie einen "Innovationskreis berufliche Bildung" einberufen. In diesem Kreis sollen hochrangige Vertreter von Wirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft, beruflichen Schulen und den Ländern gemeinsam Strategien für eine Verbesserung der beruflichen Bildung erarbeiten. Die Ministerin drückt dabei aufs Tempo. Noch vor der Sommerpause sollen die ersten Ergebnisse der Arbeitsgruppe vorgestellt werden.
Neben der Entbürokratisierung sei weiteres Kernziel bei der Verbesserung der beruflichen Bildung, Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen zum Teil massive Probleme beim Übergang von der Schule in eine Ausbildung haben, möglichst früh kräftig zu fördern. Das betreffe vor allem auch Jugendliche mit Migrationshintergrund. Um den "wirtschaftlichen und demografischen Wandel besser bewältigen zu können", will Ministerin Schavan auch das "Zusammenspiel zwischen den Verantwortlichen in der Berufsbildung, aber auch zwischen dem Berufsbildungs- und Hochschulbereich sowie die Durchlässigkeit zwischen den beiden Bildungsbereichen optimieren". So wird unter anderem eine verbesserte Anrechnungsmöglichkeit von in der Berufsbildung erworbenen Qualifikationen im Hochschulbereich angestrebt. Auch sollen Zusatzqualifikationen und Fortbildungsmöglichkeiten von beruflicher Bil dung und Ausbildung an Hochschulen künftig aufeinander aufbauen.
Die Opposition warf der Regierung angesichts der vorgelegten Zahlen Hilflosigkeit vor. Die Linkspartei nannte die Ausbildungspolitik der Regierung ein "Jammerspiel", das die Realität verharmlose. Tatsächlich fehlten in Deutschland 100 000 Lehrstellen. Die Grünen forderten unter anderem konkrete Programme für Hauptschüler.