Inzwischen haben die Dinge eine Dynamik erreicht, in der die Bildungsministerin nicht mehr Herr des Verfahrens zu sein scheint.

In Berlin ist die Debatte voll entbrannt, ob angesichts der peinlichen Plagiatsaffäre die Kanzlerin ihrer Ministerin womöglich das Vertrauen entziehen wird. Wobei: Die selbstbewusste Schavan ist niemand, der vom Hof gejagt werden müsste. Dafür ist sie zu lange im Geschäft. Sie würde selber gehen. Seit 2005 ist sie Ministerin für Bildung und Forschung, davor war die 57-Jährige zehn Jahre Kultusministerin in Baden-Württemberg. Seit 1998 ist sie zudem stellvertretende CDU-Vorsitzende. Ein Amt, für das sie Anfang Dezember auf dem Parteitag der Union nicht mehr kandidieren wird. Schavan wird von der CDU-Basis respektiert, aber nicht geliebt.

Wer sich mit ihr unterhält, der merkt schnell, die Christdemokratin ist eine Frau mit Haltung, eine, die hinter den Kulissen deutliche Worte nicht scheut. Manch ein Koalitionsvorhaben kanzelt sie dann schon mal als "pure Komik" ab, mit dem "kein Blumentopf zu gewinnen ist". Die Bildungsministerin ist stark in der Analyse, sie kennt die politischen Tricks und Kniffe. Schavan kann lächelnd geradeaus sein, deswegen ist sie eine der engsten Vertrauten der Kanzlerin. Angela Merkel schätzt überdies die Verdienste ihrer Ratgeberin. Beide eint, dass sie Quereinsteigerinnen in die Politik gewesen sind und sich erst gegen die Front der Männer durchsetzen mussten. "Die Ministerin hat mein vollstes Vertrauen", sagte Merkel am gestrigen Montag. Sie hält noch zu ihr. Gleichwohl heißt es, die CDU-Chefin beobachte die Entwicklung der Affäre ganz genau.

Im Ministerium wird nun kritisiert, dass das vertrauliche Gutachten des Vorsitzenden des Promotionsausschusses der Universität Düsseldorf, an der Schavan vor 32 Jahren promoviert hat, bereits öffentlich diskutiert werde, bevor der Promotionsausschuss darüber beraten habe. Das sei ein "bemerkenswerter Vorgang". Schavan habe einen "Anspruch auf ein faires Verfahren", betont CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe gegenüber der RUNDSCHAU.

Nach wie vor hofft die Ministerin, dass von den Vorwürfen "nichts übrig bleibt". Kommt es anders, dürfte ein Rücktritt wohl unausweichlich sein. Das ahnen auch Parteikreise. Wer Schavan dann eventuell beerben könnte, ist schwer auszumachen - es gibt in der Union kaum profilierte Bildungspolitiker. Bislang sind nur zwei Anwärter denkbar: Thomas Strobl, Schavans Parteifreund aus Baden-Württemberg und künftiger CDU-Bundesvize. Mit ihm bliebe der Länderproporz an Merkels Kabinettstisch gewahrt. Oder aber Johanna Wanka, Brandenburgs ehemalige und Niedersachsens derzeitige Wissenschaftsministerin, die über Parteigrenzen hinweg Anerkennung genießt. Sie steckt derzeit aber in einem schwierigen Landtagswahlkampf.