Be liebt ist er sowohl bei ausländischen Touristen als auch bei westdeutschen Besuchern, die ein originelles Geschenk oder Mitbringsel suchen. Auch ehemalige Leipziger, die jetzt in den alten Bundesländern leben und zu Besuch sind, wollen ein Stück Heimat mitnehmen. Einheimische hingegen kau fen den Badezusatz Badusan oder die alten Dederonnetze, weil sie von deren Qualität überzeugt sind. Und aus Nostalgie. Den Allzweckpürierer Flotte Lotte kennen viele noch von früher.

Geschäftsinhaber Jens Nerlich (46) hat den Laden von seiner Mutter Sigrid übernommen, die ihn wiederum 1991 eröffnete, damals noch in einem inzwischen abgerissenen Flachbau gleich um die Ecke. Die Umsätze sind gut, vier Angestellte beschäftigt Nerlich. Was ist sein Erfolgsgeheimnis? "Manche Sachen wie die Hühnereierbecher aus Plaste, die Klappbecher oder das Ampelmännchen gehen immer, aber wie überall entscheidet auch bei uns die Qualität." Ein Kunde, der eine Wäscherei in Mannheim betreibt und noch nie in Leipzig war, bezieht im DDR-Laden Gallseife und bestellt regelmäßig. Hatten die Nerlichs zu Beginn nur etwa 100 Produkte im Angebot, sind es inzwischen mehr als 700, von Spielzeug über Bürobedarf bis hin zu Süßwaren.

Der Laden ist einer der wenigen deutschlandweit, der sich auf Ost-Produkte spezialisiert hat und am Markt über einen langen Zeitraum besteht. Nerlich hat gute Kontakte und weiß, wo er alte Restbestände von Ware bekommt, die noch mit EVP (Endverbraucherpreis) ausgezeichnet ist. Andererseits gibt es Firmen wie "Sonja Plastic" aus Wolkenstein, die die Hühnereierbecher nach wie vor produzieren. Mit "Elsterglanz" kann man nicht nur wie zu DDR-Zeiten Metall säubern, sondern auch Marmor oder Cerankochfelder. Und Badusan ist nicht mehr nur grün, sondern es gibt inzwischen auch Blaue Meeresfrische oder Roten Blütentraum.

Badusan ist eines der Produkte, die eine Renaissance erleben. Der gelernte Maschinenbauer Matthias Gabel aus Radebeul rettete die Rezepturen vor dem Untergang und vermarktet das Produkt wieder: "Als ich 2007 hörte, dass die Geraer Firma Gerana Cosmetics in Insolvenz ging, habe ich vom Insolvenzverwalter die Markenrechte und insgesamt 50 Rezepturen gekauft." Seitdem lässt er von fünf festen und freien Mitarbeitern in Kesselsdorf bei Dresden Badusan wieder herstellen. Etwa 50 Tonnen setzt er im Jahr ab und schreibt damit schwarze Zahlen. Allerdings ist das Produkt nicht in den großen Handelsketten gelistet, dem Preisdruck, der dort herrscht, könnte Gabel nicht standhalten. Derzeit baut der 52-Jährige einen Eigenvertrieb auf, 1000 Wiederverkäufer auf dem Gebiet der neuen Bundesländer will er gewinnen: "Mir geht es auch darum, ein Stück DDR-Identität zu erhalten, hier im Osten kannte jeder Badusan." Nicht zuletzt hat der studierte Maschinenbauer Spaß an der Sache: "Ich glaube fest daran, dass das was wird mit Badusan." Im Hauptberuf ist Gabel Geschäftsführer der Radebeuler Maschinenfabrik Flammger und Zudse, mit 30 Mitarbeitern erwirtschaftet er einen Millionenumsatz.

Das Institut für Marktforschung in Leipzig hat im September 2010 eine Studie erstellt, die Ostprodukten, speziell Lebensmitteln, eine eher rückläufige Tendenz bescheinigt. So greift nur noch etwa jeder Zweite, vor allem bei den mehr als 30-Jährigen, zielgerichtet zu Ostprodukten. Im Jahr 2006 achteten noch zwei Drittel der Befragten darauf, ob das Lebensmittel von hier kommt. Laut Studie spiegelt sich darin ein Generationswechsel auf Konsumentenseite wider. Zwar gäbe es nach wie vor einen Ostbonus, er sei aber im Schwinden begriffen.

Diese Tendenz kann Torsten Klipp mit seinem "Ostprodukte-Versand" nicht bestätigen: "Bei mir boomt das Geschäft."Allerdings vertreibt er auch wenig Lebensmittel. Der 33-jährige gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann hat seine Firma gerade erweitert und zusätzliche 3000 Quadratmeter in Tangermünde erworben. Die zwölf Mitarbeiter verschicken die Produkte deutschlandweit und ins Ausland. Klipp, der aus Tangermünde stammt, war vor neun Jahren auf die Geschäftsidee gekommen, weil er selbst auf der Suche nach Ostprodukten wie Knusperflocken oder Defa-Filmen war und feststellte, dass man alles nur in verschiedenen Shops bestellen kann: "Ich finde auch, gerade weil hier im Osten Arbeitsplätze knapp sind, müssen wir selbst so richtig Gas geben."

So führte er die verschiedenen Dinge in einem Kaufhaus zusammen. Rund fünf Prozent des Umsatzes erzielt Klipp mit dem Verkauf im Laden in Tangermünde, den Großteil des Geschäfts macht aber der Internetverkauf aus.

Nach Klipps Meinung hat die mangelnde Präsenz der ostdeutschen Produkte in Supermärkten auch mit fehlender Werbung zu tun und damit, dass der mit dem Einkauf beauftragte Mitarbeiter einer beliebigen Kette vieles gar nicht kennt. Und wenn dann doch mal Schlagersüßtafeln probeweise eingekauft werden, legen sie die Mitarbeiter im Supermarkt ins Regal ganz unten. Torsten Klipp: "Da muss man sich nicht wundern, dass die keiner kauft ."