Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden kombiniert in einer neuen Sonderausstellung seltene anatomische Wachs-Modelle mit den Arbeiten zeitgenössischer Künstler.

Kernstück ist das 2009 erworbene anatomische Wachskabinett, von dem 183 der insgesamt 273 Objekte unter anderem in Schaukästen gezeigt werden. Die einst größtenteils in der Elbestadt gefertigte Kollektion wurde mit künstlerischen Positionen des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart konfrontiert - auch für Museumsdirektor Klaus Vogel ein "außergewöhnliches" Projekt.

Die von der Kulturstiftung der Länder und Sponsoren geförderte Schau "Blicke!Körper!Sensationen", die ab Samstag bis zum 19. April zu sehen ist, will die kulturhistorische Bedeutung des Wachskabinetts nachzeichnen.

Die Objekte wurden im 19. und frühen 20. Jahrhundert zur Gesundheitsaufklärung sowie aus Sensationslust und Voyeurismus auf Jahrmärkten gezeigt. Die Ausstellung ordnet die Sammlung in die Anatomie-Geschichte ein und dokumentiert, wie sich vor allem Künstler des Surrealismus mit den schockierend realen und teils bizarren Darstellungen der Wachskabinette auseinandersetzten.

Mit der laut Vogel in Fülle und thematischer Bandbreite zumindest in Deutschland einmaligen Dresdner Kollektion bietet sich den Besuchern ein ungewöhnlicher Blick auf die Körper-, Gesellschafts- und Moralvorstellungen der damaligen Zeit.

Anatomische Wachskabinette seien zudem wichtiger Teil der Geschichte des Hauses, das sich in der Gründungsphase der Manufakturen bediente, die populäre anatomische Schauen belieferten.

Ältestes Objekt ist die lebensgroße Halbfigur einer Hochschwangeren mit geöffnetem Bauch, das größte und schwerste eine auf dem Seziertisch liegende Figur mit zerlegbarem Unterleib.

Nur auf den ersten Blick bilden 47 Werke zeitgenössischer Künstler zum menschlichen Körper einen Kontrast zu historischen Modellen wie Schwertschlucker oder Blitzopfer.

Im White Cube sind Arbeiten unter anderem von Marcel Duchamp, Damien Hirst, Max Ernst, Bruce Nauman, Meret Oppenheim, Man Ray, Cindy Sherman, Rosemarie Trockel, Luc Tuymans oder WOLS versammelt - zwischen "That Girl", einer von US-Künstler Paul McCarthy für die Ausstellung geschaffenen Nackten, und dem Film "Charlotte" von Steve McQueen.

Sie und die alten Objekte teilen Motive und Wirkungen: Neugier und Schaulust, Ekel und Mitleid, Wissen und Fantasie.