Saskia Ludwig sitzt in der ersten Reihe. Als die Kamera an ihrem Gesicht vorbeifährt, lächelt die ehemalige Landesvorsitzende der Brandenburger CDU. Und 800 Parteimitglieder aus Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Berlin, die sich zur Vorbereitung des nächsten Bundesparteitags der CDU zu einer Regionalkonferenz am Montagabend in der Potsdamer Metropolis-Halle treffen, sehen das auf einer Großleinwand.

Entscheidung am Freitag

Hat sich Ludwig strategisch so platziert? Im Foyer der Metropolis-Halle jedenfalls herrscht Wahlkampf. Ludwig und ihre Konkurrentin um das Bundestagsmandat des Wahlkreises Potsdam-Mittelmark, die Parlamentarische Staatssekretärin Katherina Reiche, haben ihre Getreuen um sich geschart. Am Freitag soll in Werder abgestimmt werden, wer künftig den Wahlkreis in Berlin vertritt. Eine Richtungsentscheidung, die für den Brandenburger Landesverband der CDU zu einem Albtraum werden kann. "Ich sehe Saskia Ludwig im Land und Katherina Reiche im Bund", sagt der designierte Vorsitzende der Landes-CDU, der Cottbuser Orthopäde Michael Schierack, vor Beginn der Veranstaltung. Und er macht deutlich, dass er sich gewundert habe, dass die zurückgetretene Landes- und Fraktionsvorsitzende Ludwig nun als Direktkandidatin im Wahlkreis der erfolgreichen Bundespolitikerin Katherina Reiche antrete. "Das ist ein Stil, den ich nicht teile."

Auf der Bühne der Metropolis-Halle läuft indes das Programm der Regionalkonferenz. Dieter Dombrowski, CDU-Generalsekretär des Landes Brandenburg, begrüßt die Hauptredner, den CDU-Generalsekretär der Bundesebene, Hermann Gröhe, und Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Die Bundesregierung hat hervorragende Arbeit gemacht" - im Angesicht der Kanzlerin etwas anderes als diesen Satz aus dem Mund Dombrowskis zu hören, wäre eine Sensation gewesen. Natürlich kritisiert er Matthias Platzeck (SPD) und "die letzte linke Landesregierung in Deutschland". "Sie tut nichts anderes, als die Arbeit der Bundesregierung für sich in Anspruch zu nehmen", so Dombrowski. Die tatsächliche Bilanz der Landesregierung sei alles andere als gut. "Bei der inneren Sicherheit gibt es größte Probleme, zum Flughafen muss ich Ihnen nichts sagen."

Angela Merkel konzentriert sich in ihrer Rede dagegen auf das derzeit wichtigste Thema der Bundespolitik: Europa. Die Kanzlerin erklärt ihren ostdeutschen Unterstützern die Eurokrise. Sie lobt die EZB, die die Inflation besser im Zaum gehalten habe als die Deutsche Bundesbank. "Wir müssen wieder Wachstum schaffen in Europa", sagt die im cremefarbenen Kostüm nach Potsdam gekommene Kanzlerin. "Aber Wachstum kann man nicht per Gesetz schaffen." Wachstum müsse erarbeitet werden. "Für Wachstum brauchen wir Menschen, die etwas unternehmen. Deswegen sind Unternehmer so wichtig." Der Saal applaudiert. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich erhält ein Lob, weil er mit dem Abbau von Schulden begonnen hat. Und auch Katherina Reiche kann sich an diesem Abend freuen: Merkel würdigt den Einsatz ihrer Staatssekretärin für die Energiewende und die Offshore-Energie. Eine geschickt getarnte Schützenhilfe für die Kandidatin?

Das Publikum wird unruhig

Weniger geschickt stellen sich jedenfalls die Hoffnungsträger der Brandenburger CDU an diesem Abend an. Michael Schierack redet als Dritter am Saalmikrofon, gleich nach einer Dame aus Sachsen, die sich nahezu endlos zur Inklusion im Behindertensport einlässt. Er lobt die Bundeskanzlerin, die "sicher den Tanker Deutschland führt". "Was wäre gewesen, wenn wir von einer rot-grünen Regierung geführt werden?", stellt er als rhetorische Frage in den Raum. Das Publikum wird unruhig, "Frage, Frage!" ruft es aus den hinteren Reihen. Am Ende erklärt der designierte Landesvorsitzende, die Grundgesetzänderung zur Hochschulfinanzierung zu unterstützen.

Und auch als Anja Heinrich ihren Beitrag mit den Worten "Ich darf mich Ihnen kurz vorstellen" beginnt, brummelt es im Raum. Als Landesvorsitzende der Frauen-Union plädiert sie am Montagabend für eine stärkere Anerkennung von Kindererziehungszeiten. Angela Merkel unterstützt beide Anliegen ausdrücklich - so wie sie verspricht, mit dem Bundesverkehrsminister noch einmal über die Reform der Wasserbau- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes zu reden. Dem Sprecher der parteiinternen "Aktion Linkstrend stoppen", Michael Nickel, sagt sie zu, sich mit der Situation von Firmen, die von Grenzkriminalität betroffen sind, zu beschäftigen.

Saal singt die Nationalhymne

Am Ende gibt es donnernden Applaus für die Kanzlerin. Auf Initiative von Dombrowski singt der Saal die Nationalhymne. Und als die Delegierten den Saal verlassen, kommt die designierte Generalsekretärin Anja Heinrich an den Presseplätzen vorbei und wünscht den versammelten Journalisten einen "schönen Feierabend". Saskia Ludwig hingegen ist da schon weg. Verschwunden in der Nacht von Brandenburg.