„Denn es fehlen Besteck und Tischtuch.“ Heike Schmidt muss es wissen, denn sie ist die Verwalterin der unbekannten kleinen Schatzkammer in Dresden. In der fristen all die Geschenke ihr Dasein, die in den vergangenen gut 20 Jahren zu besonderen Anlässen den Besitzer gewechselt haben.

Es sind Präsente von ausländischen Staatsgästen und Dinge, die Sachsens Ministerpräsidenten bei Besuchen im In- und Ausland entgegengenommen haben. Die quasi kleine Schwester des Grünen Gewölbes hat ihren Platz unter dem Dach der Staatskanzlei. Mit der nicht weit entfernten Schatzkammer der sächsischen Kurfürsten und Könige hat sie aber nahezu nichts gemein. Statt eines bunten Kataloges gibt es nur ein elektronisches Inventarverzeichnis.

Die gut 2000 Dinge stapeln sich in Regalen und Kartons, die Türen werden selten geöffnet. Und neben Kostbarkeiten und Kunstwerken finden sich Basteleien, signierte Sportgeräte oder schlichte Werbegeschenke. Die Gaben erzählen gleichsam eine Geschichte der Kontakte, die die Regierungschefs in den vergangenen Jahrzehnten hatten.

Vom Normalbürger bis zum hochrangigen Politiker, von der Visite im Kindergarten bis zum Staatsbesuch – alle haben sichtbare Spuren hinterlassen. „Auf Platz eins der Inventarliste rangiert übrigens ein Porzellan-Wandteller, den Kurt Biedenkopf 1994 vom Geschäftsführer der Rhön-Klinikum AG erhalten hatte“, erzählt Schmidt.

In diesem Jahr kamen – ganz gegen das Protokoll – Präsente der niederländischen Königin hinzu. „Eigentlich ist es nicht üblich, dass Königliche Hoheiten Geschenke machen“, sagt Staatskanzlei-Mitarbeiterin Patricia Vernhold. Dennoch – Königin Beatrix ließ einen silbernen Kerzenleuchter mit königlichem Wappen, ein silbernes Schmuckdöschen und ein gerahmtes Bild von sich überreichen.

Weder Leuchter noch Dose aber stehen im Wohnzimmer von CDU-Regierungschef Stanislaw Tillich, obwohl sie ausdrücklich für ihn und seine Gattin gedacht waren – Staatsdiener müssen Geschenke mit einem Wert von mehr als fünf Euro nämlich abgeben. Die gehen dann über den Tisch von Protokoll-Mitarbeiterin Schmidt und wandern ins Lager. Hin und wieder gelangen besondere Stücke auch in Regierungsbüros, aber nur nach einem ordentlich ausgefüllten Antrag und dann als Leihgabe. Derzeit wird darüber nachgedacht, solche Geschenke ins rechte Licht zu rücken – so wie es etwa in Thüringen üblich ist. Dort stehen in der Staatskanzlei Vitrinen mit ausgewählten Gaben.