Mit seiner Tour durch fünf Länder will Bush zeigen, dass ihm Südamerika am Herzen liegt - und den sozialistischen Präsidenten Venezuelas in seine Schranken weisen.
Chávez jedoch fordert Bush mit einem Parallelprogramm heraus. Am Freitag etwa traf der US-Präsident aus Brasilien kommend in Uruguays Hauptstadt Montevideo ein. Zeitgleich wurde er von Chávez auf der anderen Seite des Río de la Plata, in Buenos Aires, vor 30 000 begeisterten Anhängern als "politische Leiche" verspottet, "die sich auflösen und in kosmischen Staub verwandeln wird". In den Anden und in Zentralamerika setzte der Venezolaner sein Spiel fort: Unter enormem Sicherheitsaufwand besuchte Bush Kolumbien und Guatemala, Chávez ließ sich unterdessen in Bolivien und Nicaragua feiern. Während Bush für Freihandel warb und von heftigen Protesten begleitet wurde, unterzeichnete Chávez weitere Kooperationsabkommen im Rahmen seines linken Handelsbündnisses Alba.
"Ich glaube nicht, dass Amerikas Versuch, das Leben der Menschen zu verbessern, genügend gewürdigt wird", sagte Bush in Brasilien. Die Antwort kam prompt: "75 Millionen Dollar, um Jugendlichen Englisch und die Kunst des Freihandels beizubringen? Das ist lächerlich. Wir wollen keine Almosen", kritisierte Chávez eine Initiative der US-Regierung. Venezuela investierte in den vergangenen beiden Jahren über sechs Milliarden US-Dollar in Lateinamerika und der Karibik, etwa doppelt so viel wie die US-Regierung.
Fragen nach Chávez wich Bush immer wieder aus. "Ich bin nach Lateinamerika gekommen, um eine konstruktive und stille Diplomatie zu machen", betonte er. Besonders gerne sähe er es, wenn der gemäßigte linke brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva ein Gegengewicht zu Chávez bilden würde.
Mit einer "Ethanol-Allianz" wollte er Präsident Lula für sich einnehmen. Doch in São Paulo wurde nur ein unverbindliches Memorandum über die Zusammenarbeit zwischen den Biosprit-Großmächten unterzeichnet.
Die Forderung Lulas, die USA sollten ihren Importzoll auf das brasilianische Ethanol und ihre Milliardensubventionen für heimische Farmer senken, blieb unerfüllt. Der brasilianische Präsident stellte zudem klar, dass er sich nicht gegen Chávez ausspielen lässt: Alle lateinamerikanischen Regierungen strebten Wirtschaftswachstum mit einer gerechteren Einkommensverteilung an, sagte Lula.
Washingtons Offensive verpufft. Im Jahre 2000 hatte Bush erklärt, er wolle Lateinamerika zu einer außenpolitischen Priorität machen. Doch dann kam der "Krieg gegen den Terror". Bushs Reise, die morgen in Mexiko endet, sei vor allem eine Reaktion auf den Vorwurf, er habe den Subkontinent vernachlässigt, sagt der argentinische Politologe Juan Gabriel Tokatlian.