Jens K. (Name geändert) ist seit einem Jahr ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht Cottbus. Zusammen mit Berufsrichtern entscheidet er über Streitigkeiten zwischen Bürgern und Verwaltung. Wenige Wochen vor seiner Wahl im Oktober 2013 hatte er selbst mit einem anderen Bereich der Justiz zu tun.

Damals f uhren Spezialkräfte der Polizei und Feuerwehrleute vor seinem Grundstück auf. Es ging um die Suche nach Sprengstoff und ähnlichen gefährlichen Dingen. Nachbarhäuser wurden geräumt, die Straße gesperrt. Zwischen Strohballen wurde dann im Garten des Grundstücks eine zielgerichtete Sprengung herbeigeführt. Seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft Cottbus gegen Jens K.. Sie bestätigt, dass auf dessen Grundstück damals große Mengen Patronen, Chemikalien und Waffen gefunden wurden. Ob es sich dabei um gefährliche Dinge handelte, deren Besitz strafbar ist, oder nur um "Kriegsschrott", sei noch nicht sicher .

Ein Gutachten des Brandenburger Landeskriminalamtes dazu sei gerade bei der Staatsanwaltschaft Cottbus eingegangen, so Oberstaatsanwalt Horst Nothbaum. "Das muss jetzt genau gelesen werden, dann wird eine Entscheidung fallen, wie das Verfahren weitergeht."

Beim Verwaltungsgericht Cottbus wusste man von alledem bisher nichts. "Wir werden jetzt bei der Staatsanwaltschaft anfragen und dann prüfen, ob es rechtliche Gründe gibt, den ehrenamtlichen Richter zu entlassen", so Gerichtssprecher Gregor Nocon. Über eine eventuelle Entlassung kann das Cottbuser Verwaltungsgericht jedoch nicht selbst entscheiden. Der Gerichtspräsident müsste dazu einen Antrag an eine spezielle Kammer des Oberverwaltungsgerichtes Berlin-Brandenburg richten.

Anlass für einen solchen Antrag könnte die Erhebung einer Anklage gegen Jens K. durch die Staatsanwaltschaft Cottbus sein. Denn ein Ermittlungsverfahren allein reicht noch nicht aus, um einen ehrenamtlichen Richter an einem Verwaltungsgericht hinauszuwerfen.

Bei Schöffen, die in Strafverfahren neben den Berufsrichtern Recht sprechen, sind die Anforderungen strenger. Sie müssen ihren Stuhl bereits dann räumen, wenn gegen sie ein Ermittlungsverfahren läuft, was eine Strafe über sechs Monate erwarten lässt.

Jens K. selbst gibt der RUNDSCHAU zu der Durchsuchung im Sommer 2013 in seinem Garten und seiner Schöffentätigkeit keine Auskunft. Eine telefonische Anfrage beendet er sofort, indem er auflegt.