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| 02:44 Uhr

Schatten auf Cottbuser Kickboxturnier

Unbelastet möchte Kickboxer Mario Schulze am Samstag gern kämpfen. Doch vorher erwartet die Stadt von seinem Verein eine Erklärung zu dem Vorwurf rechtsradikaler Kontakte.
Unbelastet möchte Kickboxer Mario Schulze am Samstag gern kämpfen. Doch vorher erwartet die Stadt von seinem Verein eine Erklärung zu dem Vorwurf rechtsradikaler Kontakte. FOTO: Johannes Koziol
Cottbus. Am Samstagabend will Mario Schulze vom Kickbox-Team Cottbus in der Lausitz-Arena Europameister werden. Vorher will er sich jedoch wegen des jetzt aufgekommenen Vorwurfs rechtsextremer Verbindungen erklären. Simone Wendler

Wenn am Samstagabend in der Lausitz-Arena in Cottbus die dritte K1-Boxnacht stattfindet, wird kein Vertreter der Stadt anwesend sein. "Von uns geht da niemand hin", sagt der Ordnungsbeigeordnete der Stadt Lothar Nicht (Linke) am Donnerstagnachmittag. Anlass seien Informationen des Brandenburger Verfassungsschutzes, die der Rathausspitze seit Dienstagabend vorlägen.

Im Mai 2010 waren 18 Lausitzer auf dem Dresdener Flughafen mit schwarzen T-Shirts aufgefallen. "A.H. Memorial Tour 2011-Protectorat Mallorca" stand auf der Brust-, "Seit 66 Jahren vermisst. Du fehlst uns. Wir brauchen dich", auf der Rückseite. Die sächsische Justiz ahndete diese Hitler-Gedenkfahrt einige Monate später mit Strafbefehlen oder Verurteilungen wegen Volksverhetzung.

Verurteilt und ausgeschlossen

Einer der Teilnehmer war Markus W., bis dahin neben Mario Schulze der zweite Spitzenkämpfer im Kickbox-Team Cottbus. Weil er den Strafbefehl nicht hinnahm und es auf eine Verhandlung ankommen ließ, wurde seine Beteiligung im Dezember 2011 öffentlich bekannt.

Er wurde verurteilt und kurz danach vom Kickbox-Team ausgeschlossen. Die Stadt Cottbus hatte kurz vorher den Verein, Landes- und Stadtsportbund sowie den Verfassungsschutz zum Gespräch an einen Tisch geholt. "Wir wollten Klarheit, aber den Verein bei der Lösung dieses Problems auch unterstützen", sagt Lothar Nicht.

Vor dem Kickbox-Turnier, das am Samstag erstmals in Cottbus stattfindet, wollte die Rathausspitze jedoch kein Risiko eingehen, erneut mit rechtsextremen Verstrickungen von Kämpfern konfrontiert zu werden. Am Dienstag kam dann aus Potsdam die Nachricht, dass ein weiterer Kämpfer des Vereins mit auf Mallorca war und einen Strafbefehl wegen Volksverhetzung erhalten hat.

T-Shirt nur in der Tasche

Nach RUNDSCHAU-Recherchen handelt es sich dabei um Mario Schulze, den Cottbuser Spitzenkämpfer des Turniers. Der will sich auf Nachfrage der RUNDSCHAU erst mal nicht dazu äußern. Er versichert jedoch, den Strafbefehl zu Unrecht bekommen zu haben. Er habe so ein Shirt nicht angehabt und mit rechtsextremer Gesinnung nichts zu tun.

Seinem Verein hatte er sich bis jetzt nicht damit anvertraut, dass er an der dubiosen Mallorca-Reise im Mai vorigen Jahres teilgenommen hatte. Aus Angst, wie der Verein am Donnerstagabend schriftlich mitteilte. Die Vereinsspitze erklärte, sie habe keinen Zweifel an der Darstellung des Athleten, er sei im Glauben einer "Sommerfahrt" nach Mallorca mitgereist und habe das volksverhetzende T-Shirt nicht getragen, sondern ausschließlich in seinem Koffer verstaut.

Den Strafbefehl habe er hingenommen, um "die Sache schnell zu beenden" und weil er nicht das nötige Geld für einen Anwalt gehabt habe, um sich dagegen zu wehren. Der Verein kündigte an, dass Schulze am Samstagabend zu seinem Kampf antreten, sich jedoch zu dem Vorfall erklären und erneut von rechtsradikalem Gedankengut distanzieren wird.

Auch in Eike Schwarz hat Mario Schulze einen Fürsprecher, der sich für ihn sogar "verbürgen" würde. Schwarz ist Geschäftsführer von Manne e.V. Potsdam und leitet dort das Bundesmodellprojekt "Gratwanderung". Dabei geht es um die Arbeit mit gewaltbereiten jungen Männern, die davon abgehalten werden sollen, ins rechtsextreme Milieu abzugleiten. Der Cottbuser Kickboxer ist dort seit einem Jahr als Antigewalttrainer freier Mitarbeiter.

"Mario brennt für unsere Arbeit", sagt Schwarz. Auch er glaubt Schulze, dass er das volksverhetzende T-Shirt in der Tasche habe verschwinden lassen und sieht darin sogar ein Beispiel von Mut, "sich nicht dem Gruppendruck zu beugen".

Das ehrenamtlich geleitete Kickbox-Team Cottbus kooperiert mit dem Boxclub Cottbus und will Kickboxen als Breitensport populär machen. Der Verein betreibt auch Kinder- und Jugendtraining. Jedes dritte Mitglied ist jünger als 18 Jahre.

Für den Beigeordneten Lothar Nicht erwächst daraus eine besondere Verantwortung: "Wir wollen wissen, dass es da nicht den Hauch von rechtsradikaler Infiltration gibt." Wenn es jetzt keine klare Auseinandersetzung dazu im Verein gebe, sei das Turnier an diesem Wochenende das erste und letzte, das in der Lausitz-Arena stattfindet.