Mit seinen Plänen für eine Räumung des Gazastreifens entfacht der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon einen politischen Sturm. Rechtsgerichtete Weggefährten und Siedlervertreter schreien entsetzt auf. Alte Gegner wie Palästinenserpräsident Jassir Arafat sind auf das Schlimmste vorbereitet.

Sperranlage wird ausgebaut
Scharon hat Freund und Feind vor den Kopf gestoßen und zeigt sich am Tag danach unbeugsam. "Mit Ausnahme der Siedler erlaube ich für mich in Anspruch zu nehmen, dass mich diese Angelegenheit persönlich mehr schmerzt, als jeden anderen Israeli", sagt er. Und weiter: "Es ist schwierig, aber ich habe mich entschieden."
Vorgesehen ist die Räumung von jüdischen Siedlungen, die bei einem endgültigen Friedensschluss sowieso aufzugeben wären. Zugleich soll aber mit einem schnelleren Bau der Sperranlage die Sicherheit für Israelis verstärkt werden, wie Scharon früher betont hat. Wie ein Kartenspieler deckt er nun sein Blatt auf, ohne dass bereits klar ist, welche Karten er als Trumpf einsetzen will.
Von der Palästinenserführung kommt vehemente Kritik an Scharons einseitigen Schritten, auch wenn sie - wie die Räumung von Siedlungen - grundsätzlich begrüßt werden könnten. Anstatt aber Frieden mit den Palästinensern zu schließen, sehe der Plan einen Frieden ohne die Palästinenser vor, wie diese fürchten. Deshalb wird Scharons Vorhaben als Abgesang auf den Nahost-Friedensplan angesehen. Schon im Sommer könnte Israel mit der Umsetzung des Plans beginnen, erklären Regierungsvertreter. Der Anfang würde im Gazastreifen gemacht, wo nur einige tausend Siedler unter Militärschutz inmitten von 1,4 Millionen Palästinensern leben, ohne dass dieses Land eine besondere Bedeutung für Israel hätte.
Eine Mehrheit von 59 Prozent der befragten Israelis unterstützte in einer gestern veröffentlichten Umfrage die Verlegung. Nach einem Zeitungsbericht werden im israelischen Justizministerium bereits Formeln für eine Entschädigung der Gaza-Siedler entwickelt, denen entwicklungsfähiges Land in der Negev-Wüste angeboten werden soll.

Treffen mit Bush
Scharon selbst geht davon aus, dass ihm zur Verwirklichung des Plans vor allem die Zustimmung der USA fehlt. Nach Medienberichten will er deshalb noch in diesem Monat zu einem Treffen mit US-Präsident George Bush fahren, um sich von ihm einen genauen Zeitplan absegnen zu lassen.
Unterstützung wurde Scharon gestern schon von Oppositionsführer Schimon Peres zugesagt, der ein Urheberrecht seiner Partei auf die Idee der Räumung Gazas beansprucht. Peres bot dem Regierungschef ein Sicherheitsnetz für die Abstimmung im Parlament an, sollte die Mehrheit der Regierung im Streit um die Räumung zusammenbrechen.