Im Nahen Osten sollen die Waffen nach mehr als vier Jahren täglicher Gewalt zum Schweigen gebracht werden. Mit ernsten Mienen erklärten Scharon und Abbas ihren Weg zu einem Ende des Blutvergießens. Eine Waffenruhe und eine Gefangenenfreilassung sollen das Tor zu neuen Verhandlungen aufstoßen. "Die Aufgabe ist sehr groß, aber unsere Hoffnungen sind größer", sagte der Gastgeber des Gipfeltreffens, der ägyptische Präsident Husni Mubarak.

Anschläge und gezielte Tötung
Denn obwohl die Erklärungen den im September 2000 begonnenen Palästinenseraufstand (Intifada) und die israelischen Militäreinsätze in den besetzen Gebieten zunächst für beendet erklären, liegen gefährliche Wegkreuzungen vor den Konfliktparteien. In der Vergangenheit haben Anschläge oder die gezielte Tötung militanter Palästinenser noch jede Friedensstrategie zu Fall gebracht. Die Hamas ging denn auch umgehend auf Distanz zu der von Abbas vereinbarten Waffenruhe. Dennoch markiere das Treffen in Ägypten den Beginn einer neuen Zeit, betonten Israelis und Palästinenser einhellig.
"Von heute an schlagen wir Brücken über die Gegensätze hinweg", sagte Abbas, der einen Monat zuvor zum Nachfolger von Jassir Arafat gewählt worden war. Israelische Regierungsvertreter sagen, der Tod Arafats habe Veränderungen erst möglich gemacht. Es könne nun eine Zeit der Hoffnung beginnen, sagte Scharon. Und: "Wir haben vereinbart, dass die Palästinenser alle Akte der Gewalt gegen Israelis stoppen, Israel wird alle seine Militäreinsätze gegen Palästinenser beenden." Diese Worte lassen beiden Seiten weniger Spielraum als frühere Erklärungen.
Bei der geforderten Kontrolle militanter Gruppen kann es Abbas nur nützlich sein, dass die Initiative zu dem Gipfeltreffen von arabischen Nachbarländern ausging. Auf gleicher Augenhöhe konnte er sich mit Scharon treffen, wobei Mubarak und der jordanische König Abdullah II. Unterstützung leisteten. Jordanien ist nach Angaben von Diplomaten bemüht, auch Syrien einzubinden. Zudem wollen Amman und Kairo ihre Botschafter wieder nach Israel schicken. Jordanien bereitet zudem die Entsendung einer neuen, aus Palästinensern gebildeten Sicherheitstruppe in das Westjordanland vor. Dafür sind nach jordanischen Angaben bereits 2000 Mann rekrutiert worden.

Abschied von Träumen
Für Israel dreht sich alles um Sicherheit und die Auflösung militanter Gruppierungen. Die Palästinenser erwarten dagegen schnelle und gerechte Zugeständnisse und die Möglichkeit, einen eigenen Staat zu gründen. Die neue Palästinenserführung hat unter Abbas Verhandlungen als einzigen Weg zu diesem Ziel erklärt, während Scharon die Israelis von Ägypten aus auf schmerzliche Zugeständnisse einstimmte. Beide Seiten müssten von unrealistischen Träumen Abschied nehmen, sagte er. Der palästinensische Unterhändler Sajeb Erekat erklärte: "Frieden ist machbar."