Es sollte ein Gipfel der Versöhnung werden. Doch das ging gründlich schief. Schon während der Eröffnungssitzung des Gipfeltreffens der Arabischen Liga in Katar schossen die Präsidenten und Monarchen im Minutentakt verbale Giftpfeile quer durch den Saal. Der von den USA und der EU als "moderat" eingestufte jordanische König Abdullah II. erklärte, der Iran, den er namentlich nicht nannte, stifte in der Region Chaos und Unfrieden. "Die andauernde ausländische Einmischung ist der Hauptgrund dafür, dass die Zersplitterung der Palästinenser anhält", schimpfte der Monarch. Angeblich blieb der ägyptische Präsident Husni Mubarak dem Gipfel in Katar, zu dem ursprünglich auch der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad als Gast eingeladen war, aus Verärgerung über die iranische Unterstützung für radikale Palästinensergruppen fern. Es heißt, eine von den Ägyptern vermittelte Vereinbarung über einen Gefangenenaustausch zwischen Israel und der palästinensischen Hamas sei von den Iranern in letzter Minute zu Fall gebracht worden. Der syrische Präsident Baschar al-Assad, der zu den engsten Verbündeten der Iraner zählt, wetterte in Doha seinerseits gegen westliche Institutionen. Der sudanesische Präsident Omar Hassan al-Baschir forderte die Auflösung des Weltsicherheitsrates, den er "undemokratisch" und "unglaubwürdig" nannte. Einigkeit herrscht unter den arabischen Staatschefs momentan nur in zwei Punkten: Sie alle lehnen den internationalen Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten Al-Baschir ab und sie alle haben nach der Gaza-Offensive und den Wahlerfolgen der Rechtspopulisten in Israel jede Hoffnung auf erfolgreiche Friedensverhandlungen mit dem jüdischen Staat verloren. "Es ist völlig gleichgültig, ob in Israel eine rechtsgerichtete oder eine linksgerichtete Regierung an der Macht ist", erklärt der syrische Präsident. "Wenn man einen Feind hat, der nicht an den Frieden glaubt, dann kann man diesem den Frieden nur aufzwingen, und zwar durch Widerstand." Und auch der in seiner Rhetorik weniger kriegerische Palästinenserpräsident Mahmud Abbas warnt: "Israel ist weit vom Frieden entfernt." Dass sich die arabischen Staaten in der Auseinandersetzung zwischen der sudanesischen Führung und dem Internationalen Strafgerichtshof geschlossen hinter Al-Baschir stellen, hat mehrere Gründe. Erstens sympathisieren viele von ihnen im Konflikt zwischen den nomadisierenden arabischen und den afrikanischen sesshaften Stämmen von Darfur mit den von Al-Baschir unterstützten Arabern. Zweitens haben die arabischen Staaten das Statut des Gerichtshofes nicht ratifiziert. Und drittens fragt sich vielleicht so mancher von ihnen, ob er selbst eventuell der nächste arabische Staatschefs sein könnte, der von einem internationalen Strafgericht für Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft gezogen werden könnte. Auffallend ist beispielsweise, wie vehement sich der syrische Präsident in Doha für Al-Baschir einsetzt. Das nationale Recht sei in jedem Fall wichtiger als so eine internationale Justizveranstaltung, poltert er. Der Strafgerichtshof habe gegen die "Souveränität" des Sudans verstoßen. Dass in Den Haag das Libanon-Sondertribunal für die Aufklärung des Attentates auf den früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri seine Arbeit aufgenommen hat, erwähnte Assad nicht. Die syrische Führung steht im Verdacht, sowohl in das Mordkomplott gegen Hariri verwickelt gewesen zu sein als auch in mehrere andere politische Morde, die Beirut in jüngster Zeit erschüttert haben. www.lr-online.de/politik