Sven Bogacz ist optimistisch: "Der Bürger wird gar nicht merken, dass wir uns umstrukturiert haben", versichert der Chef der Polizeidirektion Südbrandenburg. Die hat am Donnerstag ihr neues Dienstgebäude in Cottbus offiziell übernommen und ist für die Sicherheit von rund 630 000 Menschen zuständig.

In den weiß-blauen Bau zog auch die für Cottbus und den Spree-Neiße-Kreis zuständige Inspektion ein. Weitere Inspektionen nehmen in Senftenberg, Finsterwalde und Königs Wusterhausen ihren Dienst auf. Die lange kontrovers diskutierte Polizeireform in Brandenburg tritt nun in Kraft.

Bis 2020 soll in Anpassung zum Bevölkerungsrückgang im Land jede fünfte Planstelle in der Polizei gestrichen werden. Sachsens Polizei steht ebenfalls ein Personalabbau gleichen Ausmaßes in den nächsten zehn Jahren bevor. Im September hatte Sachsens Innenminister erst die Feinstruktur der künftigen Polizei im Freistaat mit fünf Direktionsbereichen vorgestellt.

Einwohnerschwund

Sachsen wie auch Brandenburg reagieren mit ihren Polizeireformen auf den Einwohnerschwund und den Spardruck in den öffentlichen Kassen. Die Sicherheit soll sich trotzdem nicht verschlechtern, sogar mehr Beamte auf den Straßen im Einsatz sein. Das ist erklärtes Ziel beider Länder.

Kein Sicherheitsverlust, das versprach am Donnerstag auch erneut Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) in Cottbus: "Aktiven Schutz schaffen die Streifenwagen, die unterwegs sind und nicht Wachen, die sich nicht vom Fleck bewegen." Vor der Eröffnung der neuen Direktion in Cottbus stand Woidke noch mal Kommunalvertretern Rede und Antwort.

Die wollten vor allem wissen, wann die Öffnungszeiten der Polizeiwachen nun zurückgefahren werden und wo Verwaltung und Bürger künftig Polizei finden, wenn sie die brauchen.

Dabei wurde klar, vorerst bleibt vieles in der Lebenswirklichkeit so, wie es jetzt ist. Die Polizeiwachen haben zwar künftig keine eigene Führung mehr, sondern werden von den Inspektionen geleitet, die es in jedem bisherigen Schutzbereich gibt. Die Öffnungszeiten der jetzigen Wachen, künftig Reviere, werden sich erst langsam in einigen Monaten verringern.

Ein Grund dafür sind notwendige Umbauten, um die Sicherheit zu gewährleisten, wenn kein Polizist vor Ort ist. "Wir werden jetzt auch noch mal genau erkunden, wann denn die Wachen von den Bürgern auch wirklich aufgesucht werden", kündigte Brandenburgs Polizeipräsident Arne Feuring an. Nichts soll übers Knie gebrochen werden.

Und auch dann, wenn die Reviere nachts geschlossen sind, soll künftig niemand vergeblich anrufen oder hilflos vor der Tür stehen. "Wir denken über Rufumleitungen und Klingeln nach", so Polizeipräsident Feuring.

Für Innenminister Woidke sind vor allem zwei Fakten wichtig, um den Lausitzern eventuelle Ängste und Unsicherheiten zu nehmen: Bis 2020 werde weder die Zahl der Streifenwagen noch die Zahl der Revierpolizisten verringert. Gerade im ländlichen Raum sollen sie sogar noch stärker zum Einsatz kommen.

Und Woidke zieht da gern den Vergleich zum Freistaat Sachsen. Bei der dort jetzt anstehenden Polizeireform sei ein Revierpolizist auf 10 000 Einwohner geplant. In Brandenburg, so der Innenminister, sei das Verhältnis deutlich günstiger: eins zu 7500 in den Städten und eins zu 4000 auf dem flachen Land.

Neben Rockerkriminalität und politisch motivierten Straftaten sieht der neue Polizeidirektor Süd, Sven Bogacz, die Grenzkriminalität als Schwerpunkt seiner Arbeit. Das findet auch in den Strukturveränderungen Berücksichtigung: Forst, Spremberg und Guben behalten Polizeireviere.

Zusätzlicher Streifenwagen

Guben erhält außerdem einen zusätzlichen Streifenwagen, der rund um die Uhr im Einsatz ist. Auch in Spremberg wird eine Autostreife immer im Dienst sein, versprach die Leiterin der Inspektion Cottbus/Spree-Neiße, Bettina Groß. Auch die in Cottbus stationierte Hundertschaft der Landeseinsatzeinheit (LESE) bleibt an ihrem Standort.

Verbessern soll sich durch den Strukturwandel sogar die Arbeit der Kriminalpolizei. Das versicherten Polizeidirektor Bogacz und Innenminister Woidke. "Die Kriminalitätsbearbeitung bleibt in der Hand von Fachleuten", so Bogacz. Neben den Kriminalinspektionen würden Dezernate in der Polizeidirektion die Fälle übernehmen, welche die Inspektionen überforderten, aber noch nicht bedeutend genug seien, dass sie das Landeskriminalamt übernehmen könnte.

Für die Spurensicherung und Erstermittlung am Tatort werde ein Kriminaldauerdienst mit Kriminalisten und Kriminaltechnikern eingerichtet, der rund um die Uhr einsatzbereit ist. "Bisher haben das Beamte zum Teil in Rufbereitschaft von zu Hause aus gemacht, die dann erst zur Wache fahren und ihren Technikkoffer holen mussten", sagte Woidke. Wegen der Problematik Grenzkriminalität würden bei Bedarf auch Kriminalisten in den Grenzorten Forst, Spremberg und Guben verbleiben.

Neue Aufgabe Flughafen

Massenkriminalität wie Diebstahl soll künftig durch eine zentrale Bearbeitung mehr ermittelt als verwaltet werden, kündigt Polizeidirektor Bogacz an. "Nur so können wir darin Strukturen erkennen und dadurch Ermittlungsansätze finden."

Ein neues Aufgabenfeld für die Polizeidirektion Süd wird der Großflughafen Berlin-Brandenburg in Schönefeld. Während sich die Bundespolizei dort um die Flugsicherheitskontrollen kümmert, bleibt die Landespolizei für Verkehrsprobleme und allgemeine Kriminalität zuständig. Vom Handtaschendiebstahl bis zum Einbruch in eine der zahlreichen Firmen auf dem weitläufigen Airportgelände.

Auch wenn Ankünfte oder Abreisen von Diplomaten oder Staatsgästen künftig abzusichern sind, werden die Beamten der Polizeidirektion Süd dabei sein. Feinabstimmungen mit der Bundespolizei, wo die jeweilige Zuständigkeit auf dem Flughafen endet und wie die Arbeit miteinander verbunden wird, laufen noch.

Entlastung soll die Brandenburger Polizei bei sinkender Mannschaftsstärke in den kommenden Jahren auch dadurch erhalten, dass Präventionsaufgaben abgegeben werden. "Allgemeine Verkehrsschulungen und Vorträge in Schulen zum sicheren Fahrradfahren müssen nicht von ausgebildeten Vollzugsbeamten durchgeführt werden", so Innenminister Woidke.

Keine Zukunft hat die Puppenbühne der Brandenburger Polizei, die bisher mit ihren Programmen bei kleinen Kindern Aufklärungsarbeit geleistet hat. "Wir können uns das nicht mehr leisten, dass ausgebildete Beamte mit Handpuppen durchs Land ziehen", sagte der Innenminister.

Erhalten bleibt, wenn auch mit Einsparungen das Polizeiorchester des Landes. Da gebe es aber ein ganz anderes Problem, so Woidke: "Da gehen jetzt demnächst gerade die falschen Instrumente in Rente."

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PolizeizentrumAlle Cottbuser Polizeidienststellen sollen auf einem großen Grundstück zusammengeführt werden. Polizeidirektion und Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße machen jetzt dabei den Anfang.Für den Neubau in diesem ersten Bauabschnitt wurden 15 Millionen Euro ausgegeben. 300 Bedienstete bekommen dadurch modernste Arbeitsbedingungen. Wege zwischen einzelnen Dienststellen verkürzen sich.Bis 2015 sollen in den Ausbau des Standortes weitere sechs Millionen Euro investiert werden.