Anderthalb Wochen vor der parteiinternen Wahl hat Außenministerin Zipi Liwni (50) ihren härtesten Rivalen, Transportminister Schaul Mofas (60), Umfragen zufolge deutlich abgehängt. Nach dem Vorbild von US-Schmutzwahlkämpfen lässt der Ex-General jetzt alle Bandagen fallen - und kein gutes Haar an seiner Rivalin.

Unerfahren, unentschlossen, unloyal, führungsschwach, keine Visionen, schwammige Positionen und in Sicherheitsfragen zu unbedarft, lautet der Generalvorwurf von Mofas. Seine letzten Schüsse zielen direkt ins Herz der Liwni-Wahlkampagne. Sie habe keineswegs „saubere Hände“, wie sie immer vorgebe. Ihr Wahlkampfmanager nutze beispielsweise die Infrastruktur eines Fonds für Holocaust-Überlebende, behauptet Mofas.
Nachdem sechs Ermittlungen wegen Korruptionsverdachts den amtierenden Ministerpräsidenten Olmert zum politischen Rückzug zwangen, pflegt Liwni das Image einer „Sauberfrau“. „Israel ist vom Thema Korruption besessen und Liwni wird als die Kandidatin angesehen, die das Vertrauen der Öffentlichkeit in das System zurückgewinnen kann und die Korruption von der Tagesordnung nimmt“, schreibt die Tageszeitung „Jerusalem Post“. Hinzu kommt, dass weder Liwni noch ihr in der Werbebranche tätiger Ehemann oder die beiden Söhne durch einen aufwendigen oder verschwenderischen Lebensstil aufgefallen sind. „Ich ziehe Jeans einem Kostüm vor, Sneakers den Stöckelschuhen und Märkte den Einkaufszentren. (. . .) Ich liebe keine Förmlichkeiten“, gestattete Liwni dem „New York Times Magazine“ einen der wenigen Einblicke in ihr Seelenleben. Die Leser erfuhren unter anderem auch, dass Liwni in einer puritanisch lebenden Familie aufwuchs, in der die Eltern ihre Kinder nicht in die Arme nahmen.
Eine Freundin, die Liwni nach eigenen Worten im Alter von 22 Jahren zum israelischen Geheimdienst Mossad lotste, lobt deren Kaltblütigkeit, Pfiffigkeit, Geradlinigkeit und schnelle Analysefähigkeit. 1999 ging die Juristin in die Politik. Vielen Israelis ist das Gesicht Liwnis zwar seitdem bekannt, aber die Person Liwni weiterhin fremd. Die Tageszeitungen „Haaretz“ und „Jerusalem Post“ sprechen von einem „Liwni-Paradox“: „Das Land liebt sie, wenn auch nur, weil es so wenig über sie weiß.“
Seit der Wahlkampf um den Parteivorsitz in seine heiße Phase eingetreten ist, schottet sich Liwni immer mehr vor den Medien ab. Aufgrund der großen Interview-Nachfrage lud die Ministerin die Auslandskorrespondenten gemeinsam zu einer Pressekonferenz. Dort wollte sie vor allem den Vorwurf von Gegnern wie Mofas zerstreuen, sie sei ein Sicherheitsrisiko für Israel. „In den vergangenen drei Jahren habe ich als Außenministerin gearbeitet“, sagte Liwni. Sie gehöre gemeinsam mit Olmert und Verteidigungsminister Ehud Barak zu den drei Personen, die alle „harten und schwierigen Entscheidungen“ treffen müssen.
Wenn es um den Stand der Friedensgespräche mit den Palästinensern geht, wird die Verhandlungsführerin ganz schmallippig. Die Presse sei kein Feind, aber die Probleme seien so sensibel. „Extremisten versuchen, die Verhandlungen zu stoppen“, begründet Liwni ihr Schweigen. „Im Nahen Osten hat man immer nur die Wahl zwischen schlechten Optionen“, beschreibt sie die Kompromisssuche. Glaubt man letzten Umfragen, dann könnte Liwni am 17. September bereits im ersten Wahlgang gewinnen, Olmert bereits am 21. September zurücktreten. Ein möglicherweise zweiter Wahlgang würde am 24. September stattfinden.
Das Problem: Die Kadima-Partei wurde erst vor knapp drei Jahren gegründet. Es gab bislang keine parteiinterne Wahl. Niemand weiß genau, wo die Trennlinien zwischen den Lagern der nach eigenen Angaben 70 000 Mitglieder starken Partei verlaufen. Liwni hat nach Umfragen mehr Zuspruch unter den arabischen Israelis. Mofas, der international mit Angriffsdrohungen gegen den Iran für Schlagzeilen sorgte, punktet bei Hardlinern und Religiösen.