Der Schäfer fährt die Tiere zu Brandenburgs größter Möwen-Kolonie, die sich auf einer kleinen Insel im Stoßdorfer See, nahe Luckau (Dahme-Spreewald), befindet.
Vier Schafe und zwei Ziegen sollen in den kommenden acht Wochen den Bewuchs der Insel weitestgehend abfressen. „Die Tiere halten die jungen Bäume kurz und knabbern das Gras ab“ , erklärt Ranger Hans-Joachim Jurk vom Naturpark Niederlausitzer Landrücken. Schäfer Marcus Müller will nur gelegentlich nach dem Rechten schauen. „Auf der Insel kann ihnen nichts passieren“ , begründet er. Zudem gebe es ausreichend Wasser zu trinken.
Jährlich ziehen Anfang April Tausende Lachmöwen auf die Insel, um dort in geschützter Umgebung zu brüten. In diesem Jahr wurden 3300 Paare gezählt, 2004 waren es sogar 3850 Paare. Bis Anfang August leben die Vögel im Luckauer Becken, ehe sie dann wieder Richtung Ost- und Nordsee ziehen. Das Eiland und der östliche Teil des Gewässers stehen unter Naturschutz. Das Gewässer hat für zahlreiche Vogelarten große Bedeutung als Brut- und Nahrungsplatz. Für den Kiebitz ist die Insel einer der letzten Brutplätze in der Region. Auch Schwarzkopfmöwe und Flussseeschwalben leben dort.
Der Stoßdorfer See ist aus einem ehemaligen Tagebau entstanden, dem das gleichnamige Dorf zum Opfer fiel. Naturschützer hatten vor der Sanierung gefordert, eine Insel anzulegen. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das kleine Eiland zur größten Möwen-Kolonie Brandenburgs.