Im Vergleich zur guten alten "Kaiserzeit", als der Chef des WM-Organisationskomitees noch selber gegen das runde Leder trat, hat sich eben einiges verändert. Insbesondere seit dem Attentat bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland "waren wir schon unter enger Beobachtung", erinnert sich Beckenbauer an die ersten, strengen Sicherheitsvorkehrungen. Heute muss man mit gewaltbereiten Hooligans rechnen, mit Machenschaften der organisierten Kriminalität oder mit Gefahren durch den internationalen Terrorismus. Darauf wollen die Organisatoren der WM im Juni vorbereitet sein: "Wir errichten keine Zäune", so Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) gestern in Berlin auf der sechsten und letzten Sicherheitskonferenz zur Fußball-Weltmeisterschaft, "sondern schaffen die Grundlage für eine sichere WM."

"Die Welt vertraut Deutschland"
Drei Millionen Besucher aus aller Welt werden erwartet, nicht nur in den zwölf Stadien rollt der Ball, sondern auch in 300 Städten auf Großbildleinwänden. "Das ist eine besondere Herausforderung für alle deutschen Sicherheitsbehörden", erläuterte Schäuble vor den 280 Experten aus allen 32 Teilnehmerländern. Darunter auch Fifa-Präsident Joseph Blatter. "Die Welt vertraut Deutschland", meinte der oberste Fußballboss. Die Sicherheit könne nicht Angelegenheit seines Verbandes sein, "dafür haben wir weder die Mittel noch die Möglichkeiten". Das Paket, das die Innenminister von Bund und Ländern geschnürt haben und das auf der zweitägigen Konferenz vorgestellt wurde, ist umfangreich: Nicht nur, dass die Nato während der Fußballweltmeisterschaft den Luftraum mit Awacs-Flugzeugen überwachen wird. Statt eines Verkehrspolizisten wie vor 40 Jahren in England werden neben den Polizeien der Länder etwa 30 000 Angehörige der Bundespolizei im Einsatz sein, unter ihnen 25 speziell ausgebildete Hundertschaften; dazu kommen Beamte aus anderen europäischen Staaten, die ihre einschlägige Krawall-Szene gut kennen.

Informationsaustausch über Hooligans
Um dem Hooligan-Tourismus vorzubeugen, hat Großbritannien bereits rund 4000 Rowdys mit richterlichem Ausreiseverbot belegt. Auch deshalb wird die Bundesregierung ein nationales und internationales Kooperationszentrum einrichten, wo die Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden zusammenlaufen. Zugleich gibt es einen intensiven Informationsaustausch mit den Nachrichtendiensten anderer Länder. "Trotzdem wird es keine Sicherheits-WM", betonte Schäuble.
Die Maßnahmenvielfalt lässt jedoch auch anderes vermuten: Intensive Sicherheitschecks an den Stadien, Datenerhebung beim Ticketverkauf, Videoüberwachung vor Großbildleinwänden, der Minister will während der WM sogar das Schengener Abkommen hinsichtlich des grenzenlosen Reisens zeitweilig außer Kraft setzen - aber nur von Fall zu Fall, wie er sagte. "Wer die WM stören will, soll lieber zu Hause bleiben, denn er wird wenig Freude haben", warnte Schäuble. Darüber hinaus hält die Bundeswehr für Katastrophenfälle etwa 7000 Soldaten in Bereitschaft. Wenn die Truppe einen Beitrag leisten könne, "warum sollte man das nicht tun", fragte Beckenbauer. Zur Freude Schäubles übrigens, der ein Verfechter des Einsatzes der Bundeswehr im Innern ist.
Dass die Sicherheitsbehörden noch einiges zu tun haben, zeigt der Umstand, dass bei mehreren Großübungen der Rettungskräfte in den vergangenen Tagen eklatante Mängel auftraten, von der Ausrüstung bis zum Funkverkehr. In Berlin musste eine Übung sogar abgebrochen werden - besser jetzt die Pannen als während der WM, kommentierte Schäuble.