Seit gut zweieinhalb Monaten hat moderne Selbst-Scann-Technik zur Bezahlung einer Ware auch in der Lausitz Einzug gehalten. Neben dem herkömmlichen Kassengang hat der Bauhaus-Baumarkt in Cottbus zwei SB-Terminals eingerichtet. "Es wird gut angenommen", schätzt Geschäftsleiter André Schneider ein. Nach seiner Beobachtung sind es eher jüngere Kunden, die den Weg direkt an die Scanner nehmen.

"Sie finden das spannend, die Ware einzuscannen und am Automaten zu bezahlen", sagt Schneider. Eine Mitarbeiterin ist dabei immer im Schnell-Kassenbereich präsent, um Kunden bei der Handhabung der neuen Technik zu unterstützen. Im Unterschied etwa zum schwedischen Möbelhaus Ikea kann bei Bauhaus nicht nur mit EC-Karte, sondern auch in bar bezahlt werden.

Die SB-Kasse ist für Daniel Stegen kein großer Hit mehr. Der Student für Stadt- und Regionalplanung an der BTU Cottbus-Senftenberg hat zwar nur ein Produkt in der Hand. Dennoch geht er gezielt auf die SB-Kasse zu, scannt ein, zückt seine Karte und durch ist er. Der junge Mann kommt gerade von der Expo aus Mailand. Zukunftslösungen habe er dort in Hülle und Fülle präsentiert bekommen. "Als Ergänzung zur herkömmlichen Kasse sind Scann-Kassen gut", betont der junge Mann aus Magdeburg. "In Zukunft aber nur noch von Maschinen bedient zu werden, das finde ich so lustig."

Während der Cottbuser Bauhaus-Chef André Schneider auf diese bereits in anderen Ländern in Gang gesetzte Entwicklung verweist (siehe "Die neue Generation"), sagt Ikea, "dass wir einen guten Mix aus Expresskassen und herkömmlichen Kassen haben und das auch in Zukunft so bleiben soll". Wie Pressesprecherin Sandra Christensen gegenüber der RUNDSCHAU erklärt, würden Tests in Deutschland wie in anderen Ikea-Ländern "auf eine hohe Kundenakzeptanz" verweisen.

Dass die SB-Möglichkeiten unabhängig von Alter oder Geschlecht gern angenommen werden, führt Ikea darauf zurück, dass der Ablauf einfach sei. Da Mitarbeiter für Rückfragen zur Verfügung stehen, sei gewährleistet, dass Kunden mit großen Einkäufen oder großvolumigen Produkten zu Kassen mit Kassierern geleitet werden. In den schwedischen Einrichtungshäusern ist nach eigenen Angaben die Hälfte der Kassenlinien durch Expresskassen ersetzt worden. Insgesamt sind rund 250 Kassenplätze mit je vier Expresskassen in 47 von 49 Ikea-Einrichtungshäusern in Deutschland installiert worden.

Der Kassiervorgang ist seit der Einführung von Barcodes und Scannern vor rund zwanzig Jahren nahezu unverändert. Egal, wie viele oder wenige Artikel zu bezahlen sind, muss ein Kunde sich an einer Kasse anstellen. Den großen Vorteil der Selbst-Scann-Kassen sieht die Einzelhandelsbranche darin: Mit den Expresskassen können zum einen Spitzen im Kundenaufkommen besser aufgefangen werden. Bei Andrang würden sich schneller weitere Kassen für die Kunden öffnen lassen. Zum Anderen nehmen vier Expresskassen etwa die Fläche von zwei herkömmlichen Kassen ein. Damit erhöht sich die Kassenanzahl um die Hälfte. Beides reduziert die Wartezeit für Kunden.

Bei der Verbreitung der Selbstbedienungskassen hinkt Deutschland - nach Einschätzung von Branchenkennern - weit hinter anderen Ländern wie den USA oder Großbritannien her, wie der Chef des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI Michael Gerling erklärt (siehe Infobox). Nach einer repräsentativen Umfrage des EHI nutzt aber schon heute jeder fünfte Konsument zumindest manchmal die SB-Kassen. Den Verbrauchern gehe es dabei in erster Line um Zeitersparnis. Rund 90 Prozent der SB-Kassen-Nutzer geben an, den Schlangen an den herkömmlichen Kassen entgehen zu wollen.

Im Bauhaus-Baumarkt Cottbus bekommen die Kassiererinnen nach eigenen Aussagen von den Kunden oft zu hören: "Wir kommen zu Ihnen, weil wir Ihren Arbeitsplatz erhalten wollen." Der Cottbuser Hans-Peter Hill kann das nachvollziehen: "Das Ziel ist doch klar. Irgendwann steht hier keiner mehr an der Kasse."