Es scheint, das "Bühnenbild" für diesen Workshop am gestrigen Freitag hat die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur gleich mitgeliefert: Erst ist es freundlich, dann spürbar dunkler und schließlich wieder hell. Draußen sorgt die Sonnenfinsternis für das Wechselspiel, im Pavillon des Saxdorfer Pfarrgartens sind es die Meinungsbeiträge des karätigen Teilnehmerkreises, die sich bildhaft so beschreiben lassen.

Dass Brandenburgs Gartenkunst-Gesellschaft sich jetzt einklinkt und gleich noch das Kulturministerium, die Lenné-Gesellschaft, den Landkreis, die Sparkassenstiftung, die BTU Cottbus-Senftenberg, eine Park-Marketingexpertin aus Sachsen-Anhalt sowie weitere Vertreter von Gremien und Park-Enthusiasten an einen Tisch bringt, ist eine neue Qualität. Es belegt, dass der Saxdorfer Pfarrgarten - "nach besten deutschen und englischen Traditionen gestaltet" und mit "asiatischen Tendenzen" wie es im Gartenflyer heißt - mit seinen sehr sensiblen und teils fast intimen Bereichen ein ganz besonderer ist. Und es beweist: Die Situation in Saxdorf ist dramatisch. Es geht um das Überleben des Gartens.

Maler, Grafiker und Gartenkünstler Hanspeter Bethke wird in diesem Jahr 80 Jahre, sein Partner, Pfarrer Karl-Heinrich Zahn, ist 75. "Es muss jetzt was passieren, sonst können wir alles abschreiben", fleht Hanspeter Bethke, der Mann, der 1967 die ersten Pflanzen und Bäume in den Garten setzte. Georg von Gayl, der nicht nur 1. Vorsitzender der Gartenkunst- und Landschaftskultur-Gesellschaft ist, sondern auch Landschaftsarchitekt, hat da gerade das Horrorszenario beschrieben, das eintritt, wenn ein Garten auch nur ein Jahr ohne Pflege bleibt. Genau das droht dem Saxdorfer Pfarrgarten, weil Ende März die Förderung des angestellten Gärtners ausläuft.

Hanspeter Bethke und Karl-Heinrich Zahn haben die Kraft nicht mehr, den Garten zu pflegen, Marketing zu betreiben, Besuchergruppen zu führen.

Und der Kunst- und Kultursommer-Verein Saxdorf, der neben dem Garten auch eine Konzertreihe gemeinnützig in Regie führt, hat die Finanzen nicht, einen Gärtner ohne Förderung fest anzustellen. Etwa 50 000 Euro braucht es im Jahr, um Garten und Veranstaltungsreihe am Leben zu erhalten.

Doch was, wenn Gärtner nicht mehr können beziehungsweise dürfen und der Förderverein zu finanzschwach ist - wer setzt sich den Hut auf? Die Stadt Uebigau-Wahrenbrück? Saxdorf ist einer von 21 Ortsteilen, die alle nach Geld rufen. Mit dem Technischen Denkmal "Brikettfabrik Louise" hat die Stadt einerseits einen weiteren Schatz und andererseits einen Klotz am Bein. Nicht mal mehr die Eigenmittel könne die Stadt erbringen, um sich satte Kellen aus dem "Fördertopf " für historische Stadtkerne zu holen. Der Landkreis? "Wir können nicht alles machen", heißt es und schnell wird auf die vielen anderen Großprojekte der ohnehin schon stattlichen Kulturförderung verwiesen.

Weil allen am Tisch der Erhalt des Pfarrgartens am Herzen liegt, werden doch kleine Schritte vereinbart. Die Jobagentur prüft eine Förderung für einen neuen Gärtner, die Sparkassenstiftung signalisiert, finanzielle Erfordernisse mittragen zu wollen, eine Erhöhung des Eintrittspreises von jetzt drei auf vermutlich sechs Euro halten alle am Tisch für angebracht und vertretbar, Patenschaften sollen angeschoben werden. Eine Spenderin hat bereits 525 Euro überwiesen. Unternehmer, Institutionen, Privatpersonen, die dem in Not geratenen Pfarrgarten helfen wollen, sind aufgefordert, es ihr gleich zu tun.

Ein wenig Aufatmen, auch wenn die Zukunftssicherung damit längst noch nicht erreicht ist. Aber es ist ein Signal an jenem 20. März. Am Frühlingsanfang.

Zum Thema:
Der Pfarrgarten beherbergt etwa 3000 Arten und Sorten verschiedener Pflanzen und Gehölze, darunter etwa 25 winterharte Bambusarten. Etwa 150 verschiedene Kamelien werden gepflegt. Im zeitigen Frühjahr blühen Millionen Frühlingsblüher. Höhepunkt ist die Rosenblüte im Juni. Darunter sind über 300 Jahre alte historische Rosen - dazu Rhododendren und Azaleen. www.saxdorf.de