Nun wollen deutsche Experten helfen, dass möglichst viele Menschen sauberes Wasser zu trinken bekommen und das Brauchwasser in weiten Teilen des mittelamerikanischen Landes wieder gereinigt wird. In der Hauptstadt Managua wird dazu in diesen Tagen eine von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanzierte Kläranlage in Betrieb genommen, die größte in der gesamten Region. Die Lage ist dramatisch: Der Managua-See ist eine Kloake, und der große Nicaragua-See ist ebenfalls in Gefahr, völlig verschmutzt zu werden. Die große Müllkippe in Managua liegt gleich am Seeufer. Vor allem in der Regenzeit wird der Dreck der Millionenstadt in den See gespült. "Der Managua-See ist klinisch tot", sagen Fachleute. Gastgeschenk von HerzogAls 1996 der damalige Bundespräsident Roman Herzog Nicaragua besuchte, erkannte er schnell, wie sinnvoll es sein würde, diese für die gesamte Region wichtigen Gewässer zu retten. Seitdem finanziert die KfW in Nicaragua eine Reihe von Wasserprojekten, insgesamt das größte Vorhaben deutscher Entwicklungshilfe in der gesamten Region. "Es war gewissermaßen ein Gastgeschenk Herzogs", sagt ein Diplomat. Beteiligt sind auch die Interamerikanische Entwicklungsbank (Bid) und der Nordische Entwicklungsfonds. Das zum Teil schon realisierte Vorhaben sieht vor, praktisch den zentralen Teil das Landes von Matagalpa im Norden Managuas und Granada im Süden wassertechnisch zu sanieren. Auch soll verhindert werden, dass weiter größere Mengen verschmutztes Wasser in die großen Seen eingeleitet werden. "Wir können nicht das Wasser in den Seen reinigen", betont der für Mittelamerika und Mexiko zuständige Büroleiter der KfW in Managua, Helge Jahn. "Aber es soll erreicht werden, dass diese nicht weiter belastet werden und sich dann im Laufe der Jahre erholen können." Der Löwenanteil des Vorhabens entfällt auf die Hauptstadt Managua. Die KfW finanzierte für rund 40 Millionen Dollar die größte Kläranlage in der gesamten Region, die jetzt in Betrieb genommen wird. Außerdem wurde eine von der Interamerikanischen Entwicklungsbank unterstützte Kanalisation gebaut, die den größten Teil der industriellen und privaten Abwässer in die Kläranlage leiten wird. "In der Region Matagalpa läuft das richtig gut. Die Zahlen können sich sehen lassen", schwärmt der Deutsche. Über einen Managementvertrag wird der kommunale Betreiber des Matagalpa und Jinotega erfassenden Systems von dem britischen Unternehmen Biwater unterstützt. In Granada befindet sich dagegen noch alles in Vorbereitung: "Wir sind sehr zufrieden, dass die Deutschen die Wasseraufbereitung auch bei uns machen wollen", sagt Stadtrat Fernando López. Bedrohte Süßwasser-HaieLópez kann es kaum erwarten, dass die Planungen endlich abgeschlossen sind und die Arbeit beginnt. "Das Projekt ist lebenswichtig für Granada." Denn derzeit ist das Trinkwasser für die Mehrheit der 92 000 Einwohner begrenzt. Mehr als 80 Prozent des Abwassers gelangen ungereinigt in den Nicaragua-See. Die meisten Stadtteile haben keine Kanalisation. Vor allem der bis zu rund 60 Meter tiefe Nicaragua-See, einer der größten Seen in Amerika, ist ein einzigartiges Naturreservoir: Mehrere Hundert Inseln, darunter der Doppelvulkan Ometepe, liegen in diesem See. Und es gibt noch eine Tierwelt mit außergewöhnlichen Arten, wie den nur hier vorkommenden Süßwasser-Haien. Das Wasservorhaben in Nicaragua gilt allgemein als Modell für andere Länder in der Region bis hin nach Mexiko, in dessen Hauptstadt noch immer keine funktionierende Wasserreinigung im großen Stil existiert.