Mit der in den vergangenen Monaten sowieso schon abgekühlten Kooperation zwischen den drei Brandenburger Oppositionsparteien dürfte es nach dem Namensartikel der CDU-Chefin auf längere Sicht vorbei sein. Die Brandenburger Liberalen werten den Text als Kampfansage an die eigene Partei. Denn in ihm wird das Ende der FDP als ernstzunehmende politische Kraft prognostiziert.

Die Liberalen würden "aufgrund einer aktiv betriebenen Profillosigkeit ihrer Führung in den Ruin getrieben", schreibt Ludwig. Der FDP-Landesvorsitzende Gregor Beyer reagierte darauf in aller Schärfe. Er sagte, Ludwig "kündigt mit ihren Aussagen den Konsens unter Demokraten auf". Sie habe sich mit ihrem Beitrag "aus dem realpolitisch denkenden Spek-trum" entfernt.

Die Landesvorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock, stört sich vor allem an dem Medium, in dem Ludwig publiziert. Baerbock dazu: "Es ist absolut unverständlich, dass sich Frau Ludwig erneut in der Wochenzeitung ,Junge Freiheit‘ zu Wort meldet, die als Scharnier zwischen Konservativismus und Rechtsextremismus gilt." Die Grünen-Landeschefin verweist weiter darauf, dass ihre CDU-Kollegin bereits vorher schon in dieser Zeitung in Erscheinung getreten sei und unterstellt darin eine politische Strategie. Ludwig versuche "am äußersten rechten Rand nach Wählerstimmen zu fischen". Ludwig selbst war am Donnerstag nicht bereit, Stellung zu beziehen zu der Frage, warum sie ihre Positionen in solch einer Publikation darlegt.

Die Auseinandersetzung um den Ludwig-Text ist der vorläufige Höhepunkt eines Entfremdungsprozesses zwischen den drei Oppositionsparteien, der schon seit einiger Zeit zu beobachten ist. Deutlich wurde er vor allem in Bezug auf die Aufarbeitung der Folgen der SED-Herrschaft. Dabei war es zu Beginn der Legislaturperiode des Landtags zu einem ganz unerwarteten Maß an Kooperation zwischen den Landtagsfraktionen von CDU, FDP und Grünen gekommen. Aber in der konkreten Arbeit der deswegen eingesetzten Enquetekommission und dann auch in der Auseinandersetzung um die Stasi-belasteten Abgeordneten der Partei Die Linke verhinderte Ludwig nicht, dass sich ihr Generalsekretär Dieter Dombrowski gegen Liberale und Grüne profilierte. Die CDU-Fraktion stimmte dann mit SPD und Linken gegen Grüne und FDP.

In der Landtagsdebatte um den Bericht der Abgeordneten-Überprüfungskommission profilierten sich so der Grünen-Fraktionschef Axel Vogel und vor allem die FDP-Abgeordnete Linda Teuteberg als die wirklichen Sprecher der Opposition gegen die rot-rote Koalition. FDP wie Grüne lehnten es andererseits ab, jede der scharfen Attacken der CDU gegen Justizminister Volkmar Schöneburg (Linke) mitzutragen.

Für erhebliche Verstimmung in der Opposition hatte auch der Umstand gesorgt, dass die CDU mit den rot-roten Fraktionen und gegen das Votum des Landtagspräsidenten eine Sitzordnung im neuen Landtag erzwang, die von den kleinen Oppositionsparteien abgelehnt wird.