Es ist noch zwei Jahre hin bis zu den Präsidentschaftswahlen in Frankreich, doch Nicolas Sarkozy hat am Samstag um 15.05 Uhr in Paris den Wahlkampf eröffnet. Der Ex-Präsident nutzte den Parteitag seiner Konservativen, um in seiner 45 Minuten langen Schlussrede vor rund 10 000 Anhängern mit den regierenden Sozialisten abzurechnen. "Die Linke verteidigt die Republik nicht, sie zieht sie ins Lächerliche", kritisierte Sarkozy - und verteidigte damit gleichzeitig die Wahl des neuen Parteinamens "Die Republikaner". Denn das linke Lager hatte ihm vorgeworfen, die Werte der Republik mit seiner umbenannten Partei für sich allein beanspruchen zu wollen.

Dass die erst 2002 gegründete UMP eine Rundumerneuerung brauchte, hatte Sarkozy bereits nach seiner Wahl zum Parteichef verkündet. Der Schritt war fällig, war die UMP doch mit einem Finanzierungsskandal seines Präsidentschaftswahlkampfes 2012 verbunden, den er gegen Amtsinhaber François Hollande verloren hatte.

"Speedy Sarko" ist wieder da

Nach einer Auszeit von der Politik kehrte "Speedy Sarko" dann im November zurück als Chef der UMP. Einen neuen Namen, ein neues Programm und eine neue Parteispitze wollte der Vorsitzende der Oppositionspartei geben. Die "Wiedergeburt" gelang: Mit 83 Prozent billigten die Parteimitglieder, von denen sich allerdings nur knapp die Hälfte an der Online-Abstimmung beteiligte, "Die Republikaner".

Das "Ja" fiel auch deshalb so deutlich aus, weil Sarkozy es in den vergangenen Monaten geschafft hatte, seine parteiinternen Widersacher einzubinden. Und er hatte mit den Departementswahlen im März einen ersten Erfolg vorzuweisen: Seine UMP wurde stärkste Kraft - vor dem rechtspopulistischen Front National und den Sozialisten, dem eigentlichen Hauptgegner Sarkozys.

"Denen, die uns vorwerfen, die Republik für uns zu vereinnahmen, antworten wir, dass wir sie nicht wieder aufrichten müssten, wenn sie sie nicht verraten, verlassen, nach unten gezogen hätten", sagte er an die Adresse der Regierungspartei gerichtet. Ansonsten erinnerte seine Ansprache an frühere Wahlkampfreden: Der Ex-Präsident warb für das Erbe der christlichen Kultur, die Werte von Familie und Justiz und eine "Republik des Vertrauens". Vertrauen vor allem in ihn, der 2017 gerne wieder in den Elysée-Palast einziehen würde - mit den "Republikanern" als Wahlkampfmaschine.

Seine Anhänger sind bereit, ihm auf dem Weg dorthin bedingungslos zu folgen. So quittierten sie am Samstag den Auftritt von Ex-Außenminister Alain Juppé, der bereits seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur angekündigt hatte, mit Pfiffen und Buh-Rufen. Ähnlich erging es Ex-Regierungschef François Fillon. "Die Pfiffe haben Sarkozy das Fest verdorben", kommentierte die linksgerichtete Zeitung "Libération" die Reaktion des Publikums. Denn der in mehrere Affären verwickelte Parteichef wollte, dass von dem Gründungskongress nach den Streitigkeiten der vergangenen Jahre ein Zeichen der Einheit ausgeht.

Doch mit dem Parteitag, zu dem Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Videobotschaft sandte, hat bereits ein neuer Streit begonnen: der um die Präsidentschaftskandidatur der Konservativen, über die nächstes Jahr in Vorwahlen entschieden werden soll.

Nur 26 Prozent für Ex-Präsident

Laut einer vor einer Woche veröffentlichten Umfrage hat Sarkozy zwar bei den Republikanern die Nase vorn, aber Juppé ist unter den Anhängern der bürgerlichen Parteien insgesamt deutlich beliebter. Bei einer Befragung aller Franzosen findet sich sogar nur eine Minderheit von 26 Prozent, die eine Kandidatur des Ex-Präsidenten 2017 befürwortet. Ähnlich niedrig ist allerdings auch die Unterstützung für Hollande, der 2017 ebenfalls wieder antreten könnte. Vorher kommen allerdings noch die Regionalwahlen im Dezember - und da dürften die neu gegründeten "Republikaner" die Nase vorn haben.