Der Iran habe vergangene Woche Uranhexafluorid zur Anreicherung in Zentrifugen eingeleitet, bestätigte gestern ein der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) nahestehender Diplomat. Ein anderer Diplomat ergänzte, dass es sich um eine sehr geringe Menge "unter zehn Kilogramm" handele.

Frist der UN läuft heute ab
Heute läuft indes die Frist ab, die der UN-Sicherheitsrat dem Iran zur Aussetzung seines Programm zur Urananreicherung gesetzt hatte. Andernfalls drohen Sanktionen. Doch in der iranischen Hauptstadt Teheran nehmen die Menschen die möglichen Strafmaßnahmen des UN-Sicherheitsrates eher gelassen. Kein Wunder, denn dem Land geht es trotz reicher Ölvorkommen schon seit Jahren wirtschaftlich nicht sonderlich gut. Bereits seit Jahren gibt es praktisch keine Wirtschaftsbeziehungen mit den USA. Zusätzlich machen eine hohe Arbeitslosigkeit und Inflationsrate dem Iran zu schaffen.
"Wir sind mit den US-Sanktionen in all den Jahren zurechtgekommen, neue werden nicht so große Problem schaffen, wie der Westen es denkt", sagt der Geldwechsler Hussein Isadpanah, der in der quirligen Jomhuri-Straße in der iranischen Hauptstadt arbeitet. Der 24-Jährige, der als Absolvent der Politikwissenschaften keinen Job bekommen hat, glaubt, dass Sanktionen höchstens die Inflationsrate noch höher treiben könnten - doch die steige sowieso permanent. Offiziell liegt sie bei zehn Prozent, Wirtschaftsexperten gehen jedoch von einer noch höheren Zahl aus. Die USA halten seit der Islamischen Revolution 1979 und der Besetzung der US-Botschaft die Sanktionen gegen Teheran aufrecht. So dürfen US-Firmen, aber auch deren ausländische Filialen, keinen Handel im und mit dem Iran treiben. Das hat schwerwiegende ökonomische Auswirkungen, denn so gibt es zu wenig ausländische Firmen, die im lu krativen Öl- und Gassektor investieren können. Mögliche weitere Sanktionen, die durch den UN-Sicherheisrat verabschiedet werden könnten, könnten das Einfrieren von iranischem Auslandsvermögen und ein Einreiseverbot für iranische Politiker betreffen.
Der frühere iranische Atom-Unterhändler Ali Agha Mohammadi spielt die Bedeutung der drohenden Sanktionen herunter: "Sie können einige Schäden anrichten, werden die Position des Iran jedoch nicht ändern. "Dem Westen bleibe nicht anderes übrig, als die Rolle des Landes als Regionalmacht im Nahen Osten zu akzeptieren.

Stolz auf das Atomprogramm
Der 35-jährige Schahin Tutunchi ist auf das Atomprogramm seines Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad sogar ziemlich stolz. "Es wird keinen Krieg geben, aber ich hoffe, dass der Iran seine Rechte durchsetzen und sich als politische Macht etablieren kann, ohne einen zu hohen Preis zu zahlen", sagt der Händler. Ahmadinedschad kündigte am Dienstag bereits an, sich durch "Drohungen und Einschüchterungen" nicht beeindrucken zu lassen. Durch die Sanktionen würde nur eine Gruppe gewinnen, ist sich Tutunchi sicher - die Schmuggler. Das sieht auch der 30-jährige Arasch Amui so: "Es wird immer jemanden geben, der Waren in den Iran bringen wird."