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| 02:39 Uhr

Sanierungsschiff "Klara" macht guten Job auf dem Partwitzer See

Das Sanierungsschiff "Klara" hat den Dauerbetrieb auf dem Partwitzer See aufgenommen. Das Bekalken des Gewässers läuft nach Plan.
Das Sanierungsschiff "Klara" hat den Dauerbetrieb auf dem Partwitzer See aufgenommen. Das Bekalken des Gewässers läuft nach Plan. FOTO: Steffen Rasche/str1
Klein Partwitz. Der mobile Einsatzplan der Bergbausanierer gegen das saure Wasser in den neuen Lausitzer Seen greift. Das Sanierungsschiff "Klara" hat die Testphase auf dem Partwitzer See bestanden und ist jetzt mit dem amtlichen Segen der Landesdirektion Dresden im Dauereinsatz. Kathleen Weser

Mit dem Sanierungsschiff "Klara", einem flexiblen Schubverband, bringen die Lausitzer Bergbausanierer das Arbeitsgerät gegen das Versauern des Partwitzer Sees punktgenau zum Problem. Das aufgehende Wasser in der gewaltigen Kohlegrube wird hier seit September erstmals neutralisiert. Mit Branntkalk. Ralf-Uwe Seemann (60) aus Altdöbern lenkt das Wassergefährt mit den Bunkern, die etwa 25 Tonnen des Heilmittels gegen das saure Wasser fassen. Seit 2004 arbeitet er als Schiffsführer. "Ich liebe die Ruhe auf dem Wasser", erklärt er schlicht. Aber stürmisch werde das entstehende Lausitzer Seenland durchaus auch.

Die Sanierer haben einen straffen Arbeitsplan. In gut einem Jahr muss der pH-Wert im noch quietschsauren Restloch Skado von 2,6 auf den Wert von 4,5 angehoben sein. Denn erst dann kann der Barbarakanal in den Geierswalder See als nächster schiffbarer Wasserweg der Lausitzer Seenkette geöffnet werden.

Und "Klara" sorgt nach Plan für klares Wasser im elf Quadratkilometer großen Partwitzer See.

Christoph Wunderlich (23) aus Beeskow, gelernter Binnenschiffer und Steuermann, arbeitet dafür an Land. Gut 45 Minuten hat er Zeit, die Kalkfracht auf einen der Schubleichter des Arbeitsschiffes zu befördern. Das Wassergefährt mit dem Zwillingsleichter braucht ebenso lange, die Ladung auf dem See auszubringen. Im schnellen Wechsel schafft der Schubverband sieben Touren pro Arbeitstag. "Die beiden Bunker auf dem Leichter müssen absolut ausgewogen befüllt werden", erklärt Christoph Wunderlich. Denn der Kalk wird über Förderschnecken in Rohre befördert, dosiert nach hinten aus dem Schiff gedrückt und mit der Wasserströmung verwirbelt.

"Ich habe schon auf Eisbrechern gearbeitet", erzählt er. Die Wahl für den Arbeitsort im Lausitzer Seenland aber hat der junge Mann sehr bewusst getroffen. "Heimat ist Heimat. Und der bin ich hier näher", sagt er.

Die Vorgaben für die Wasserkur des Partwitzer Sees sind streng. Der Kalk muss gleichmäßig verteilt werden. Von Geologen und Hydrologen im Globalen Positionsbestimmungssystem (GPS) festgelegte Korridore hat der Schiffsführer akkurat abzufahren. Das schließt das Abdrehen vor der brandenburgischen Landesgrenze noch ein. Denn die wasserrechtlichen Genehmigungen für den See, der die Drehscheibe der schiffbaren Seenkette wird, sind in beiden Ländern einzuholen. Sie liegen in der Startphase aber nur aus Sachsen vor.

Der prüfende Blick auf den Rechner in der Schiffskabine zeigt Jörg-Michael Pißang (48): alles im Lot. Der Senftenberger hat das Steuerrad des Fahrgastschiffes auf dem Senftenberger See mit dem Joystick von Sanierungsschiffen getauscht. Er zeigt Respekt vor den Bergbaukratern, deren Gefahrenpotenzial gebannt werden muss. Der Sanierer ist aber auch sichtlich stolz auf die Leistung, die im Revier schon vollbracht wurde. "Ich bin auch privat gern auf dem Wasser unterwegs. Die neue Landschaft in der Lausitz ist toll und kann im Wettbewerb mit anderen Reisezielen wirklich mithalten", versichert er. Auch angesichts des weißen Branntkalks, der im Wasser des Partwitzer Sees bräunlich reagiert und bis in Tiefen zwischen 28 und 60 Meter seine Arbeit verrichtet, lässt ihn daran nicht zweifeln.

Jeweils zwölf Kubikmeter Kalk werden aus den Silos steuer- und backbord in einer Stunde ins Wasser abgegeben. Aus beiden Bunkern muss jeweils zeitgleich die gleiche Menge über die beiden Austragseinheiten ausgebracht werden. Bei einem Fahrtempo von zehn Kilometern pro Stunde wird eine optimale Vermischung erreicht, erklärt Jörg-Michael Pißang. Gemeinsam mit Experten der Werft habe die Crew die Technik der nagelneuen "Klara" auf Kurs gebracht. Das Sanierungsschiff arbeite wie am Schnürchen gegen den weiteren sauren Zustrom aus den Bergbaukippen. "Das Versauerungspotenzial des Partwitzer Sees ist groß", bestätigt Michael Matthes, der leitende Projektmanager der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Ziel ist es, den Partwitzer See bis zum Jahr 2018 so flott zu machen, dass in die regelmäßige Nachsorge eingetreten werden kann. Der Schubverband "Klara" soll dann auf den Sedlitzer See, das größte Gewässer der Seenkette, wechseln. An dessen Nordufer wird der Hafen für das Sanierungsschiff errichtet, das noch viele Jahre auf Kalktour sein wird. Die große Dosis Heilmittel wird über den Winter verteilt. Denn die Eigenzirkulation der gewaltigen Seen in den Bergbaukratern arbeitet in der kalten Jahreszeit besonders gut für die Wasserqualität.

Ab dem Frühjahr soll auch der Partwitzer See wieder begrenzt für den Wasserspaß genutzt werden. Und da Branntkalk ätzend wirkt und bei verirrten Surfern und Badenden schwere Hautverletzungen hervorrufen kann, wird das Schiff dann nur fernab der freigegebenen Strandbereiche arbeiten.

Zum Thema:
Die neuen Lausitzer Seen entstehen aus ausgekohlten Tagebauen. Da beim Bergen der Kohle aus dem unterirdischen Gebirge über Jahrzehnte auch Pyrit- und Markasit-Verbindungen nach oben befördert wurden, reagiert das aufsteigende Seewasser sauer. Deshalb müssen die Gewässer mit Kalk neutralisiert werden. Ursprünglich sollten dafür an den Seen feste Konditionierungsanlagen gebaut werden. Die mobile Technik auf dem Wasser ist jedoch deutlich günstiger und effektiver.