„An unserem Wollen, einzelne Seen
zu übernehmen,
wird nicht gerüttelt.“
 Reinhold Dellmann (SPD), Brandenburgs Infrastrukturminister


Die Zahlen sind eindrucksvoll: Mehr als 3,1 Milliarden Euro sind von 1993 bis Ende 2007 in die Braunkohlesanierung in Brandenburg geflossen, bis zum Jahr 2012 werden es nach Angaben der Potsdamer Lan desregierung weitere 478 Millionen Euro sein. Für Infrastrukturminister Reinhold Dellmann sind das Summen, auf die Regierung und Region stolz sein können: „Die Braunkohlesanierung ist das größte ökologische Projekt in der Bundesrepublik. Auch andere Länder in Osteuropa interessieren sich sehr dafür, vor allem für das Know-how“ , so der Minister gestern in Plessa. 50 000 Hektar Fläche müssten insgesamt saniert werden, noch sei in Brandenburg einiges zu tun.
Dass auch künftig Geld für diese Aufgabe fließen wird, steht für Dellmann außer Frage: „Die Bereitstellung der Mittel im Landeshaushalt war nie umstritten“ , sagt er. Andere Landstriche in der Mark würden durchaus wahrnehmen, dass die Lausitz eine Region ist, die in den vergangenen Jahrzehnten übermäßig gelitten hat. Daher gebe es im Land auch „ein Stück Solidarität“ gegenüber der Bergbauregion.
Die Übernahme einzelner Bergbaufolgeseen in der Lausitz durch das Land ist dagegen noch in der Schwebe. Nachdem sich Sachsen kürzlich bereit erklärt hatte, Gewässer im Lausitzer Se en land zu übernehmen, um eine zielgerichtete Entwicklung gewährleisten zu können, steht in Brandenburg diese Entscheidung noch bevor. „An unserem Wollen, einzelne Seen zu übernehmen, wird nicht gerüttelt“ , betont Dellmann. Allerdings will das Land sie nicht um jeden Preis. Probleme bereitet der Landesregierung dem Minister zufolge die Frage der Wasserqualität. Das heißt: Wenn Brandenburg Seen kauft, müsste das Land auch für die Wasserqualität geradestehen. Das ist im Falle der oft sauren Lausitzer Tagebau-Seen jedoch ein teures Unterfangen. „Deshalb wollen wir die Frage der wasserwirtschaftlichen Nachsorge zeitlich abtrennen“ , so Dellmann. Das bedeutet: Das Land kauft den See in dem Moment, in dem er aus der Bergaufsicht entlassen wird. Jedoch müsste dann die Lausitzer- und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) oder deren Nachfolger - in jedem Fall aber der Bund - für die Kosten geradestehen. Zu diesen offenen Fragen laufen laut Dellmann Verhandlungen. Er ist zuversichtlich, dass in diesem Jahr zumindest ein Rahmenvertrag verabschiedet werden kann, der diese Details regelt. Folgen würden Einzelverhandlungen über jeden See.
Die Zukunft des Lausitzer Se enlandes hat Reinhold Dellmann bereits klar vor Augen. Es soll eine Urlaubsregion entstehen, die im Hochsommer durchaus mit Zielen in Südeuropa konkurrieren kann: „Wer einmal in der Lausitz war, spricht meist mit Begeisterung davon“ , so Dellmann. Diese Gäste zum Wiederkommen und andere zum erstmaligen Besuch zu bewegen, sei das erklärte Ziel. Im Preis-Leistungs-Verhältnis könne sich die Lausitz bereits sehen lassen, so der Minister. Jedoch schreibt er der Region einen Nachholbedarf in Sachen Hotellerie und Gastronomie ins Stammbuch.
Dellmann sieht in den kommenden Monaten vor allem die Lausitzer Landräte und den Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) in der Verantwortung, ein Konzept für die Zeit nach der Internationalen Bau-Ausstellung (IBA) ab 2011 zu entwickeln. „Ziel ist es, vor allem das Know-how der IBA in Sachen Tourismus und Marketing hierzubehalten“ , so der Minister. Im Herbst dieses Jahres soll es Gespräche zwischen den Kommunalpolitikern und der Landesregierung geben. „Jetzt ist der Punkt gekommen, wo eine Entscheidung fallen muss“ , sagt er. Für eine Übergangszeit stellt er einer möglichen IBA-Nachfolgegesellschaft finanzielle Hilfe in unbenannter Höhe in Aussicht. Die IBA selbst wird vom Land mit 1,2 Millionen Euro jährlich unterstützt. „Aber es ist nicht unser Ziel, auf Dauer Organisations-Einheiten zu fördern“ , betont Dellmann.

Hintergrund Braunkohle in der Lausitz
Seit Ende des 18. Jahrhunderts wird in der Lausitz, zunächst in der Oberlausitz, Braunkohle gefördert.
1924 ist im Tagebau bei Plessa (Elbe-Elster) die erste Förderbrücke , eine F 34, in Betrieb gegangen.
Nach der Wende sind zunächst sieben Tagebaue in der Lausitz erhalten geblieben. Welzow-Süd, Jänschwalde (beide Spree-Neiße), Cottbus-Nord und Nochten (Kreis Görlitz) sind noch aktiv, Reichwalde (Kreis Görlitz) soll nach einer jahrelangen Stundung wieder angefahren werden.
Die Tagebaue Klettwitz-Nord (Oberspreewald-Lausitz/Elbe-Elster) und Meuro (Oberspreewald-Lausitz) sind im Dezember 1992 und Dezember 1999 stillgelegt worden. Dort entstehen der Bergheider und Ilse-See.