Vom 1. bis 14. April führt die Polizei des Landes Brandenburg landesweit in verschiedenen Städten Fahrradkontrollen durch. Besonderes Augenmerk wird auf die Fahrer gelegt, dabei ist das Ahnden von Ordnungswidrigkeiten genauso wichtig wie das Gespräch miteinander. Gleichzeitig wird überprüft, ob alle Räder den Vorschriften entsprechen. Polizeioberrat Jan Strotzer, Leiter des Bereichs Verkehrsangelegenheiten im Polizeipräsidium: „Als Fahrradfahrer gilt für mich: Beide Hände gehören an den Lenker! Das Handy gehört in die Tasche und die Kopfhörer in den Rucksack! Die Aufmerksamkeit gehört dem Straßenverkehr!“ Strotzer bittet, auch bei noch so kurzen Fahrten den Helm nicht zu vergessen.

Im vergangenen Jahr ereigneten sich in Brandenburg insgesamt 82 461 Verkehrsunfälle. Etwa 90 Prozent davon gingen mit Sachschäden ins Protokoll. Betrachtet man Unfälle mit Beteiligung von Fahrradfahrern ergibt sich ein anderes Bild: Bei 75 Prozent der 3874 Radfahrerunfälle wurden Menschen verletzt (2917 Unfälle), das ist ein Anstieg um 12,3 Prozent im Vergleich zum Jahr 2017, teilt die Polizei Brandenburg mit. 20 Radfahrer starben auf den Straßen Brandenburgs (26 im Jahr 2017).

Die Polizei betont, dass in 47 Prozent der Fälle Fahrradfahrer selbst Schuld waren. Das reiche von falscher Straßenbenutzung, Nichtbeachten von Vorfahrt bzw. Vorrang, Fehlern beim Einfahren in den fließenden Verkehr bis zum Fahren unter dem Einfluss von Alkohol.

Potenzielle Unfallquellen

Hinzu kommen Unfallquellen wie Pkw und Lkw. Die meisten Unfälle zwischen Rad und Auto gibt es laut Unfallforscher Siegfried Brockmann im Kreuzungs- und Abbiegebereich. Hier kollidieren gerade ausfahrende Radfahrer oft mit abbiegenden Autos oder Lkw. „Idealerweise müssten die Verkehrsströme getrennt werden, etwa durch Ampelschaltungen“, sagt der Leiter des Berliner Instituts Unfallforschung der Versicherer. „Immer dann, wenn Radfahrer Grün haben, sollten Autos warten und umgekehrt.“ Immer wieder auch werden Radler von Lkw-Fahrern beim Abbiegen übersehen. Unfälle mit Lkw sind laut Brockmann allerdings nur „ein kleinerer Teil des Problems Radfahrerunfall“. 2017 seien 77 Radfahrer bei Unfällen mit Lkw gestorben, davon rund 30 beim Rechtsabbiegen.

Neuste Gefahrenquelle sind laut Unfallforscher Brockmann. E-Bikes. Jedes vierte neue Fahrrad ist ein Elektrorad. Von den 445 Radfahrern, die im Vorjahr ums Leben kamen, waren 89  E-Biker - ein Anstieg gegenüber 2017 von 24 Prozent, wie aus vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts hervorgeht. Ab diesem Sommer sollen auch elektrische Tretroller (E-Scooter) hinzukommen.- aus Expertensicht eine weitere Unfallquelle. Sind sie zwischen 12 und 20 km/h schnell, sollen sie auf Radwegen fahren und notfalls auch auf der Fahrbahn. Aus Sicht Brockmanns ein weiteres Risiko. „Ein E-Scooter-Fahrer verhält sich anders als ein Radfahrer, ist aber genauso schnell. Die Dinge sind nur sehr schwer miteinander kompatibel“, so Brockmann. E-Scooter würden Schlaglöchern beispielsweise eher ausweichen als Radler.

Der ADFC sieht in der „schlechten und völlig unterdimensionierten Fahrrad-Infrastruktur“ das größte Sicherheitsproblem für Radfahrer. Projekte wie extrabreite und durch Poller geschützte Wege „Zerschlissene und schlecht einsehbare Bordsteinradwege wechseln ab mit zugeparkten, viel zu schmalen Radfahrstreifen – und die enden dann oft im Nichts oder an der nächsten Baustelle. Das ist frustrierend und gefährlich“, bemängelt Sprecherin Stephanie Krone.