Zehn Jahre haben ihre Genossen dort mitregiert, und das Ergebnis ist die Halbierung ihres Stimmenanteils und der Marsch in die Opposition. Und vor allem im Ostteil der Stadt, der an Kaisers Wahlkreis grenzt, hat sich der Wählerzuspruch dramatisch verringert. Die jüngsten Umfragen in Brandenburg signalisieren ebenfalls einen Abwärtstrend. Als am Donnerstag Kaiser ans Rednerpult des Landtags trat und in einer Aktuellen Stunde über die Zukunft des Landes redete, fiel ihr auch noch der Begriff „enkeltauglich“ als Prädikat für Politik ein. Das passt zu einer Partei, in der sich vornehmlich Großeltern tummeln, trefflich. Es zeigt aber auch das Dilemma, in der die Linke steckt, die in Berlin nicht nur von der SPD und den Grünen, sondern jetzt auch von den Enkel-Piraten zerrieben wird. Die Debatte im Landtag, in der erstaunlicherweise FDP-Fraktionschef Andreas Büttner glänzte und damit andeutete, dass Liberale in der Opposition noch am ehesten überleben könnten, war geprägt von der rot-roten Verunsicherung. Matthias Platzeck, der Partner Kaisers, schimpfte zwar auf die CDU, redete dann aber lang und breit über die Bedeutung Europas und die gleichzeitig laufende Auseinandersetzung im Bundestag, in dem gerade seine Sozialdemokraten zusammen mit den Christdemokraten, den Grünen und der FDP die Linken niederstimmten. Kaiser hat da Glück: Dem Euro-Rettungsschirm muss der Bundesrat nicht zustimmen, sonst wäre schon der nächste Konflikt in der Koalition vorprogrammiert gewesen. Die brandenburgische Landespolitik liegt nun mal quer zur ganzen Bundesrepublik und die Koalitionsverhandlungen in den Nachbarländern machen dies noch einmal besonders deutlich. Dazu kommt dann noch ein an und für sich im Grunde eher lokal gefärbter Vorfall wie ein umstrittener Polizeieinsatz in Neuruppin, der bei der Linken ob ihrer Traditionen im „antifaschistischen Kampf“ zu allergischen Reaktionen führte und Kaiser erklären lässt, dass man wegen so etwas nicht Rot-Rot gewählt habe. So wird dann aus den Entscheidungen eines Leiters einer Polizeidirektion fast schon so etwas wie eine Koalitionskrise, und die im Höhenrausch agierenden Grünen treiben Kaiser und Co auch noch ausgerechnet bei deren bisherigem Alleinstellungsmerkmal in die Enge.

PS.: Eines muss man Kaiser jedenfalls lassen: Im Gegensatz zu manch anderem Parteigenossen gelingt ihr das Funktionärs-Sprechblasen-Inhaltslosreden nicht besonders. Da hatte sie ja vor 1989 auch nicht so viel Übung. Da kann man nur hoffen, dass sie jetzt keiner zum Nachsitzen zu zwingen versucht.