"Das ist verrückt", meldet sich Felix Ahrens via Facebook aus dem Urlaub. "Drückt mir die Daumen", schreibt er mit Blick auf die Preisverleihung in Hollywood Ende September. Aus über 1700 Filmen wurde "Am Ende der Wald" mit vier weiteren Nominierten in die Endauswahl in der Sparte "Bester ausländischer Film" ausgewählt. Neben Ahrens konkurrieren Alex Schaad von der Hochschule für Fernsehen und Film München ("Invention of Trust") sowie Nachwuchs-Filmemacher aus Ungarn, Polen und Norwegen um die Trophäe.

Der Student Academy Awards ist einer der begehrtesten Preise für junge Filmemacher in aller Welt. Für viele Gewinner wurde die Auszeichnung zum Sprungbrett, etwa für Regisseure wie Robert Zemeckis oder Spike Lee. Auch der Deutsche Florian Gallenberger (44) hat den Studenten-Oscar 1999 gewonnen. Es folgten zahlreiche Filme, im vergangenen Jahr beispielsweise "Colonia Dignidad - Es gibt kein Zurück".

Nun hat also Felix Ahrens die Chance auf den begehrten Preis. Sein Film "Am Ende der Wald" ist ein Polizeidrama, das im Auftrag des MDR an der tschechischen Grenze gedreht wurde. Ende April war der 30-minütige Kurzfilm erstmals im MDR zu sehen, nach Mitternacht.

Die Geschichte ist komplex: Elke, eine junge Polizistin (gespielt von Henrike von Kuick), und ihr Kollege Armin befinden sich nahe der tschechischen Grenze auf Streife. Bei einer routinemäßigen Fahrzeugkontrolle widersetzt sich ein junger Tscheche ihren polizeilichen Anordnungen und wird dadurch unbeabsichtigt von Elke erschossen.

Elke wird daraufhin über die Dauer der internen Ermittlungen vom Dienst suspendiert und sinkt in ein tiefes Loch aus Schuldgefühlen. Eines Nachts sucht die Ehefrau des verstorbenen Tschechen Elke auf. Sie beteuert dessen Unschuld und wirft Elke vor, verantwortlich für den Tod eines guten Menschen gewesen zu sein, dessen zwei Kinder nun ohne Vater aufwachsen müssten. Am nächsten Tag macht Elke sich aus unerträglichen Schuldgefühlen auf den Weg nach Tschechien, um der jungen Familie Geld zu bringen. Dort angekommen stellt sich heraus, dass nichts so ist, wie es scheint, und Elke scheinbar in eine Falle getappt ist.

Entstanden ist "Am Ende der Wald" im Rahmen des Studiums von Felix Ahrens an der Filmuniversität Babelsberg "Konrad Wolf". Seit 2012 ist er dort im Fach Regie eingeschrieben. In der Zeit sind verschiedene Kurzfilme entstanden, mit denen der Norddeutsche auf Festivals auftreten konnte. Der Kurzspielfilm "Vakuum", 2015 fertiggestellt, wurde von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden mit dem Prädikat "besonders wertvoll" ausgezeichnet.

"Felix Ahrens gelingt mit seinem 25-minütigen Kurzfilm etwas Erstaunliches und Beeindruckendes: Mit nur wenigen Dialogen und einer unglaublich nahen Handkameraführung schafft er Atmosphäre und berührt den Zuschauer mit der Geschichte", würdigte die Filmbewertungsstelle und lobte die "kluge Dramaturgie und Bildführung" des Wahl-Hamburgers, der mit Kollegen die Filmfirma Curly Pictures betreibt und darüber auch Videos für die Werbeindustrie dreht, etwa für den Shell Eco Marathon.

Zum Thema:
Mit der Initiative "MDR Kurzkino" fördert der Mitteldeutsche Rundfunk junges Gegenwartskino und ermöglicht Studierenden der Filmuniversität Babelsberg, ihre Vision von Film ins Fernsehen zu bringen. Nach der erfolgreichen Premiere sind in diesem Jahr wieder drei Kurzfilme in der Produktion. Professor Andreas Kleinert aus Babelsberg und Redakteur des MDR suchen infrage kommende Projekte aus und begleiten die Umsetzung.