An den vier Modellstandorten in Chemnitz, Dresden, Leipzig und im Kreis Aue-Schwarzenberg würden unterschiedliche Ansätze erprobt. Dafür stelle der Freistaat in drei Jahren zusammen 550 000 Euro zur Verfügung.
"Wir wollen herausfinden, wie Jungen Halt und Orientierung in dieser Zeit finden, in der es nach kulturellen Umbrüchen noch keine eindeutigen Männlichkeitsbilder gibt", sagte der Vorsitzende des Landesjugendhilfeausschusses, Lars Rohwer. Der Sozialpädagoge Wild führte dies auch darauf zurück, dass Jungen immer häufiger ohne einen Vater im Haushalt aufwachsen. Deshalb hätten sie heute größere Probleme, sich in der Welt zurecht zu finden.
Die Folge sei ein im Vergleich zu Mädchen schlechteres Abschneiden bei den Pisa-Tests, eine höhere Selbstmordrate und ein zweifelhaftes Verhältnis zur Gewalt. "Wissenschaftler fordern deshalb schon seit fast 15 Jahren spezielle Programme für Jungen", sagte Wild. "Wir wollen mit dem Projekt dazu anregen, dass geschlechtsbewusste Pädagogik als Querschnittsaufgabe in der Jugendhilfe einen festen Platz bekommt."
36 Modellprojekte bewarben sich als Praxisstandorte. Ausgewählt wurden zwei Jugendclubs in Aue-Schwarzenberg und Leipzig, ein medienpädagogisches Angebot in Chemnitz sowie ein Projekt, das speziell in Heimen aufwachsende Kinder und Jugendliche in Dresden im Fokus hat. Alle Projekte wollen den Teilnehmern auf unterschiedliche Weise die Möglichkeit geben, ihr Rollenverständnis zu reflektieren. "Wir werden die Programme wissenschaftlich auswerten, sodass auch andere Kinder- und Jugendeinrichtung künftig von den Erfahrungen profitieren können", sagte Gerd Stecklina von der TU Dresden, die das Projekt wissenschaftlich betreut. (dpa/ab)