Für den Rechtssprecher der Grünen-Fraktion, Johannes Lichdi, stand fest, dass mit der Aussetzung des Verfahrens Anfang Juli eine Kriminalisierungskampagne geplatzt sei. "Anderthalb Jahre lang haben Sie Pfarrer König wie einen Schwerverbrecher behandelt", warf Lichdi im Plenum der Regierungskoalition von CDU und FDP vor. Der 59-jährige König muss sich seit April vor dem Dresdner Amtsgericht wegen des Vorwurfs des schweren Landfriedensbruchs verantworten. Er soll bei Protesten gegen einen Neonazi-Aufmarsch am 19. Februar 2011 in Dresden zur Gewalt gegen Polizisten aufgerufen haben.

Die Anklage gegen den Seelsorger, die die Dresdner Staatsanwaltschaft im Dezember 2011 gestellt hatte, hat bundesweit für großes Aufsehen gesorgt. Nun ruht der Prozess, damit Filmmaterial gesichtet werden kann, das im Zuge des Verfahrens überraschend aufgetaucht ist. Königs Verteidiger haben bereits Antrag auf Einstellung des Verfahrens gestellt. Johannes Lichdi sieht in dem König-Prozess die "Spitze des Eisbergs", unter der es längst Usus sei, Protestierer gegen die jährlichen Neonazi-Aufmärsche zu bestrafen, indem Ermittlungsverfahren gegen sie eröffnet würden. "Wir haben eine ausgewachsene Vertrauenskrise gegenüber der sächsischen Justiz", so der Grüne.

Der Linke Klaus Bartl meinte: "Es sollte tatsächlich uns unter die Haut gehen, wenn in den verschiedensten Medien die Auffassung besteht, dass in diesem Prozess elementarste rechtsstaatliche Grundsätze verletzt sind." Carsten Biesok, Rechtsexperte der FDP-Fraktion, hielt dagegen und warf den Grünen ein "vollkommen gestörtes Verhältnis zum Rechtsstaat vor". Er halte die Diskussion um den König-Prozess für "extrem gefährlich", so Biesok - denn die laufe letztlich darauf hinaus, eine politische Justiz zu wollen.

"Wenn es gegen rechts geht, dann soll weggeguckt werden", hielt er der Opposition, bestehend aus Linken, Grünen und SPD vor. Zudem stört sich der Liberale daran, "dass in den Medien so getan werde, als sei es ein Skandal, einen Pfarrer anzuklagen". Stattdessen müsse die Staatsanwaltschaft bei hinreichendem Verdacht auf schweren Landfriedensbruch Anklage erheben.

Hinreichenden Verdacht sieht die Opposition im Fall des Jugendpfarrers Lothar König jedoch nicht. Für Lichdi wie für die SPD-Rechtssprecherin Sabine Friedel bedeutet die Aussetzung des Verfahrens, dass der Anfangsverdacht nicht mehr vorliege. Was der CDU-Innenexperte Christian Hartmann nicht gelten ließ. Das Gericht habe das Verfahren ausgesetzt, um das neue Material sichten zu können - mehr als 20 Stunden Videoaufzeichnung vom 19. Februar 2011. "Daraus ergibt sich noch lange nicht die Feststellung, dass das alles Quatsch gewesen ist, was Staatsanwaltschaft und Polizei getan haben", so Christian Hartmann. Justizminister Jürgen Martens (FDP) kommentierte gelassen: "Wenn am Ende des Verfahrens die Beweise nicht ausreichen, dann wird es einen Freispruch geben."