"Ich gehe davon aus, dass ich mit der Klage Erfolg haben werde", sagte Pfeilsticker am Mittwoch. Den Anlass gab eine Erklärung Gansels in der NPD-Postille Deutsche Stimme. Der 38-Jährige, der für die Rechtsextremen im Landtag sitzt, hatte sich darin abfällig über ausländische Ärzte geäußert, die an sächsischen Kliniken arbeiten. Darin wettert Gansel gegen "Lohndrücker in weißen Kitteln" und warnt vor "Überfremdung" durch "ausländische Billig-Mediziner". Dafür droht ihm nun ein Ermittlungsverfahren.

Für den 60-jährigen Rechtsanwalt Pfeilsticker, CDU-Kreistagsmitglied in Norsdsachsen, ist das Volksverhetzung. "Wir sollten uns auseinandersetzen mit den einzelnen Thesen dieser Leute", sagt der 60-Jährige. "Es ist wichtig klarzumachen, wie das Sachsen schadet, dass die ausländischen Ärzte als Lohndrücker beschimpft werden. Wir könnten Sachsen gar nicht leistungsfähig halten ohne diese Ärzte."

Diese Ansicht teilt die Landesärztekammer: "Einige Kliniken könnten den Betrieb mancher Stationen ohne die ausländischen Ärzte nicht aufrecht erhalten, da sie keine Ärzte in Deutschland finden", erklärt Sprecher Knut Köhler. "Die ausländischen Ärzte unterstützen die Patientenversorgung und tragen mit dazu bei, dass es vor allem in ländlichen Regionen keine noch größeren Defizite beim ärztlichen Personal gibt."

Laut Kammer kommen von den derzeit rund 16 000 berufstätigen Ärzten 9,2 Prozent aus dem Ausland - Tendenz steigend. Die meisten Ärzte stammen demnach aus der Tschechischen Republik, der Slowakei, Polen, Rumänien und Russland. Viele von ihnen arbeiten auf dem Land.

Die Bewerber müssen laut EU-Recht Sprachkenntnisse vorweisen. Dass es gelegentlich doch zu Verständigungsproblemen zwischen Arzt und Patient kommt, hat die Ärztekammer als Problem erkannt. Zusätzlich zum bislang erforderlichen Sprachniveau B2 empfiehlt der Berufsverband Bewerbern fachsprachliche Kurse.

Auch einige Krankenhäuser bieten solche Kurse an. Wie die Collm-Klinik Oschatz, die eigens einen Deutschlehrer engagiert hat, um neuen Mitarbeitern den Einstieg zu erleichtern. Ein Drittel der 55 Ärzte des Klinikums kommt aus dem Ausland. Auch der Klinik-Geschäftsführer René Rottleb ist empört über die Äußerungen Gansels.

Gansel hat bereits Erfahrungen mit Strafanzeigen. 2008 bekam er eine Anzeige wegen abfälliger Äußerungen gegen die Justiz. Daraufhin hob der Landtag seine Immunität auf. Rechtsanwalt Pfeilsticker hat seinerseits Erfahrungen mit Klagen gegen die NPD. Er zeigte 2009 einen Rechtsextremen an, der den Fußballer Mesut Özil als "Plaste-Deutschen" beleidigt hatte.