Mit Salutschüssen und einer Segnung der Trauben hat die Sächsische Winzergenossenschaft die Lese des neuen Weinjahrgangs eingeläutet. "Auf der Zielgeraden haben wir allerdings einen Dämpfer erhalten", sagte der Geschäftsführer der Winzergenossenschaft, Lutz Krüger, am gestrigen Dienstag in Meißen. In der vergangenen Woche hätten Hagel und Niederschlag einen Teil der Bestände vor allem in Weinböhla, Niederau und im Meißener Spaargebirge geschädigt. "Wir rechnen mit etwa 30 Prozent weniger Ertrag in diesem Jahr." Im Schnitt ernten die rund 1500 Winzer und Mitgliedsbetriebe der Genossenschaft etwa 1000 Tonnen Wein pro Jahr.

Um Fäulnis zu vermeiden, hätten manche Winzer bereits mit der Lese des Goldrieslings begonnen. Die Lese des Müller-Thurgaus beginne in den nächsten Tagen. Hagel und Niederschläge hätten die Winzer ein Stück zurückgeworfen, so Krüger. "Bis zur vergangenen Woche hat es in den Weinbergen sehr gut ausgesehen, die Erwartungen waren groß." Die Weinbauern hatten gehofft, ihre Weinkeller füllen zu können, nachdem das Wetter ihnen bereits 2014 einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte.

Beim Leseauftakt in dem 400 Jahre alten terrassenförmigen "Steinberg" in Meißen hat die Sächsische Weinkönigin Michaela Tutschke ein Mostgewicht von 72 Grad Oechsle gemessen. "Schon ein sehr guter Wert für Müller-Thurgau", so Krüger. Er fürchtet aber, dass der Regen die Mostgewichte in den Trauben mancherorts hat sinken lassen.

Der Weinbauverband Sachsen gibt sich trotz der lokalen Schäden optimistisch, dass die Lese insgesamt noch gut ausfällt. "Nach jetzigem Stand stehen die Aussichten, eine qualitativ hochwertige Ernte einzufahren, nicht schlecht", erklärte der Verbandsvorsitzende Christoph Reiner. Allerdings müsse das Wetter mitspielen. Die Winzer hoffen nun auf Sonne und trockenes Wetter.

In Sachsen wird Wein auf 466 Hektar angebaut. Mit 81 Prozent dominieren weiße Rebsorten, rote Sorten stellen 19 Prozent der Anbaufläche.