Für den frisch gewählten Vorsitzenden der Landesrektorenkonferenz dürften die schwarz-roten Pläne für die sächsische Hochschullandschaft kein Problem sein. Hans Müller-Steinhagen repräsentiert als Rektor der TU Dresden Sachsens einzige Exzellenz-Uni. Am Montag wählten die Rektoren den 60-jährigen Maschinenbauingenieur an die Spitze des wichtigsten Hochschulgremiums im Lande. Er werde sich "dafür engagieren, dass der Hochschulstandort Sachsen national und international weiter sichtbar wird", kündigte Müller-Steinhagen an .

Doch dafür dürften in den nächsten Jahren schmerzhafte Schnitte an den 14 Hochschulen nötig sein. Mit dem Koalitionsvertrag nehmen CDU und SPD die Hochschulen spürbar am Zügel. Zu deren "langfristiger Sicherung", heißt es da, sollten die Häuser ihr Studienangebot "qualitativ und quantitativ überprüfen und effizient strukturieren". Das ist so zwar nicht neu. Die Forderung, dass die Unis ihr Profil schärfen, ihre Stärken ausbauen und marktorientiert arbeiten sollen, zog sich durch die schwarz-gelbe Legislatur. Neu sind die Sanktionen, mit denen der Freistaat nun droht: Hochschulen, die sich bei der Profilierung quer stellen, bekommen unter Schwarz-Rot weniger Geld und Stellen.

Bis Ende näc hsten Jahres will sich die neue Staatsregierung einen neuen Masterplan ausarbeiten, der bis 2025 gelten soll. Es geht um das landesweite Fächerangebot, um die Anforderungen des Arbeitsmarkts und die kritische Frage der "Aufrechterhaltung des Qualitätsanspruchs". Das Studium in Sachsen soll attraktiver für Abiturienten von außerhalb werden. Die eigenen Hochschulen können wie sonst keine Institution dem Land die Zufuhr an jungem Blut sichern, das der Arbeitsmarkt dringend braucht. Zum anderen müssen sich die Häuser auch rechnen, und das im harten nationalen und internationalen Wettbewerb. Im laufenden Wintersemester haben sich 18 500 junge Leute in Sachsen immatrikuliert. Doch einfach immer mehr Studis reinzuholen, ist auf Dauer keine Lösung, sonst leiden die Qualität der Lehre und damit auch das Renommee .

Kommt der von CDU und SPD geforderte Plan fristgerecht zustande, können sich die Hochschulen auf eine langfristige Finanzvereinbarung freuen. Auch der geplante Abbau von 754 Stellen im akademischen Betrieb ab 2017 soll dann ausgesetzt werden. Einigt man sich indes nicht, wird doch gekürzt, und zwar explizit an den Häusern, "die sich nicht an der genannten Vereinbarung beteiligen". Mit dem goldenen Zügel wolle man die Hochschulen hin zur Profilierung ziehen, so heißt es aus Regierungskreisen. Eingepreist ist demnach auch, dass einzelne Häuser ihre unwirtschaftlichen Studiengänge trotzdem weiter laufen lassen, dafür dann aber den Abbau in Kauf nehmen.

Die Linken-Landtagsabgeordnete Annekatrin Klepsch sieht die Unis unter Schwarz-Rot in der Autonomiefalle: "Die Abwicklungsentscheidungen obliegen dann wieder den Hochschulen." Das Sächsische Hochschulfreiheitsgesetz räume dem Wissenschaftsministerium eine "faktische Erpressungsmöglichkeit ein", so Klepsch. Zudem werde dennoch abgebaut - konkret 288 Stellen bis 2016.

"Ein gutes Zeichen" sieht dennoch die Leipziger Uni-Rektorin Beate Schücking im Verhandlungsergebnis der künftigen Koalition. Die scheidende Chefin der Rektorenkonferenz freut sich, "dass der schmerzliche Stellenabbau, den wir aktuell zu bewältigen haben, ab 2017 zu einem Ende kommt". Ein für die Hochschulen "sehr bedrohliches Szenario" gehöre damit hoffentlich der Vergangenheit an. Zwei Hürden muss der Koalitionsvertrag noch nehmen - den CDU-Parteitag am Freitag und das Mitgliedervotum der SPD, das am Sonntag ausgezählt wird.