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| 02:49 Uhr

Säbelrasseln in Nordkorea – Wohin steuert Kim Jong Un?

Seoul. Unklar ist, wie weit Machthaber Kim Jong Un gehen will. Trickst er, um Zugeständnisse der USA zu erzwingen, oder lässt er es auf einen zweiten Korea-Krieg ankommen? Dirk Godder / dpa/uf

Atomwaffentest und Erstschlagdrohung - beinahe wöchentlich sorgt Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un mit seinen Eskapaden weltweit für Unruhe. Niemand weiß, ob das mit Sanktionen unter Druck gesetzte Regime nur blufft. Vor allem in Südkorea wächst die Sorge, dass sich der unberechenbare Bruder im Norden zu einer militärischen Provokation hinreißen lässt und der Konflikt damit eskaliert.

Auch am Freitag machte die isolierte Führung in Pjöngjang deutlich, dass ihr Drohpotenzial noch immer nicht ausgeschöpft ist. Die Raketen, die auf Ziele der USA und Südkorea gerichtet seien, habe Machthaber Kim Jong Un per Befehl in ständige Bereitschaft versetzt, hieß es in den Staatsmedien.

Die Eskalation war aus Sicht der Südkoreaner nicht überraschend. Sie wird als Antwort auf Übungsflüge zweier atomwaffenfähiger Tarnkappenbomber der US-Luftwaffe über Südkorea verstanden. Kriegerische Signale als Mittel sind für das auf ausländische Wirtschaftshilfe angewiesene Nordkorea üblich, um seine Ziele zu erreichen. Südkorea und die USA nehmen die Drohungen ernst. "Es gibt hier eine Reihe von Unwägbarkeiten", räumte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel ein. "Aber wir müssen provokative Worte und Aktionen ernst nehmen, die bisher von diesem neuen, jungen Führer gekommen sind, seit er an der Macht ist." Experten glauben nicht, dass es Nordkorea auf einen Krieg mit der Supermacht USA ankommen lassen will. Ein zweiter Korea-Krieg, ausgelöst etwa durch einen Raketenangriff auf Südkorea oder US-Militärstützpunkte würde angesichts der militärischen Übermacht der Amerikaner den Untergang des Regimes in Pjöngjang bedeuten.

Entsprechend beschwichtigend treten Nordkoreas Nachbarn China und Russland auf. Nordkorea habe nicht die Kapazität, seine jüngsten Drohungen mit einem Angriff auf US-Territorium umzusetzen, schätzt der Asien-Pazifik-Redakteur James Hardy von dem Fachmagazin "IHS Jane's Defence Weekly". Nordkorea habe Kurz- und Mittelstreckenraketen, die die Lage auf der koreanischen Halbinsel und allenfalls in Japan kompliziert machen könnten. "Aber wir sehen keine Beweise, dass es über Langstreckenraketen verfügt, die das US-Festland, Guam oder Hawaii treffen könnten." Genau das hatte Kim Jong Un angedroht.