An die christliche Minderheit im Irak - etwa 1,5 von 22 Millionen Einwohnern - und an "alle ehrenhaften Menschen" richtete Saddam Hussein eine Rede voller religiöser Anspielungen. "Der Irak möchte seine Aufrichtigkeit beweisen", betonte Saddam Hussein einmal mehr. Verglichen mit der ersten Periode der UN-Waffeninspektionen bis 1998 zeigt Saddam Hussein sich derzeit ausgesprochen entgegenkommend.
Die irakische Charme-Offensive begann bereits mit der offiziellen Reaktion auf die UN-Resolution 1441. Zwar lehnte das irakische Parlament nach einer langen Debatte die Annahme energisch ab - aber am Ende entschied die Führung ohnehin allein. In seiner Antwort an die UN vermied Saddam Hussein jeden Anschein des Widerstands und akzeptierte den rigiden Zeitplan. Bagdad beschränkte sich lediglich darauf, die UN-Inspekteure zur Unvoreingenommenheit zu mahnen.

Der Ruf eines Täuschers
Der irakische Präsident hat den Ruf eines Trickspielers und Täuschers. Die Erwartungen an seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit waren deswegen nicht sehr groß. Aber zum Erstaunen vieler politischer Beobachter hält Saddam Hussein bislang an seinem neuen Kurs fest. Verzögerungen bei Inspektionen? Nicht der Rede wert. Einmal, an einem Freitag, war der Torwächter bereits ins Wochenende verschwunden. Die begleitenden Journalisten formulierten schon dramatisch klingende Meldungen - doch nach einer guten Viertelstunde waren die Inspekteure dort, wo sie hin wollten.
Der nächste kritische Punkt war die Abgabe des Waffenberichts. Bagdad lieferte das Dossier sogar einen Tag eher ab als von der UN-Resolution gefordert, und mit seinen 12 000 Seiten war es auf den ersten Blick auf jeden Fall "umfassend". Dem Vorwurf aus den USA, das Dossier sei lückenhaft, begegnete der Irak mit Gelassenheit. "Wir sind überaus gern bereit, alle offenen Fragen zu beantworten", sagte ein freundlich lächelnder Präsidentenberater. Und er fügte hinzu: Selbst der US-Geheimdienst CIA sei willkommen, die Inspekteure zu den Orten zu führen, an denen sie Massenvernichtungswaffen vermuteten.
Der einzige größere Vorfall, der nicht zu dieser kooperativen Haltung passt, ist der Abschuss eines unbemannten US-Flugzeugs in der so genannten Flugverbotszone im Süden des Iraks. "Das ist für uns Selbstverteidigung", schrieb die irakische Zeitung "Al-Thawra". Die Reaktion der USA fiel nicht sehr heftig aus. Es gibt ohnehin keinen Konsens unter den Alliierten, derartige Zwischenfälle als Casus Belli, als Kriegsfall, zu betrachten. Als nächstes steht die von den USA angemahnte Befragung irakischer Wissenschaftler, die Auskunft über Waffenprogramme geben könnten, außerhalb ihres Landes an. Auch hier hat der Irak seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit zumindest verbal mehrfach bekundet.

Die Angst vor einem Krieg
Nach Ansicht von politischen Beobachtern steckt hinter dieser demonstrativen Bereitschaft Saddam Husseins zur Zusammenarbeit die Angst vor einem immer näher rückenden Krieg. "Er möchte allen beweisen, dass es dafür keinen Anlass gibt", sagt der ägyptische Politikwissenschaftler Emad Gad. "Saddam Hussein weiß genau, dass ein Krieg verheerende Folgen haben wird." Ob der irakische Präsident im letzten Moment nicht doch seine Strategie ändere und in die Rolle des Täuschers zurückfalle, könne jedoch nicht ausgeschlossen werden.