Aber es geht noch weiter: "Savoire-vivre gehört hier zum guten Ton, der sich gerne als Entkorkungsgeräusch eines ausgezeichneten heimischen Weines zu erkennen gibt." Ausgezeichnet gedichtet von den Machern der Imagekampagne "So geht sächsisch". Jetzt gehen Sprüche wie "Deutschland bleibt Sächsisch" um die Welt. Der stammt nicht aus der Ideenschmiede der Agentur Ketchum Pleon, der stand auf einem Pegida-Plakat. Als im Advent die Demonstranten "O Du fröhliche" gegen unliebsame Asylbewerber sangen, grillten die Sachsen-Werber Würstchen in Nürnberg. Nicht im großen Nürnberg, die wollten nicht. Ach, die Zeiten sind schlecht für gute Töne aus Sachsen. Dabei gibt es ihn, den ausgezeichneten heimischen Wein. Doch über das original Dresdner savoire-vivre ist immer mehr Unfreundliches zu lesen. Wie das hier: Der Dresdner Grüne Johannes Lichdi, ein heimischer Stadtrat, korkte neulich in einem Gastkommentar für den Berliner "Tagesspiegel" eine ganz bittere Pulle auf. Mit den Pegida-Demos, schrieb Lichdi, zeige sich Dresden, "das so gerne europäische Kulturmetropole wäre, als borniertes und engherziges Provinznest". Das Elend habe sich schon früh gezeigt, nämlich damals, als Sachsens Hauptstadt "lieber eine Brücke baute als Welterbe zu bleiben". Die Reaktionen der Beschimpften blieben nicht aus: Nichts gegen die Brücke!

Sachsens AfD-Chefin Frauke Petry ärgert sich auch, und zwar über das schwedische Fernsehen. Das hat einen neuen Aufklärungsfilm für Kinder ins Programm gehoben mit dem sehr kindgerechten Titel "Pippimann und Pippifrau". Da kriegen die Kleinen nicht nur Geschlechtsteile zu sehen. Nein, die tanzen sogar noch und sind dabei gar lustig angezogen. Nur eben nicht da, wo sie was anhaben sollten - sie tragen Hut, gegen den Sonnenstich, und Sonnenbrillen, wegen der Strahlung. "Müssen kleine Kinder wirklich so kranke Sachen sehen?", fragt die vierfache Mutter Petry. Sexualerziehung sei schließlich eine "vorrangig familieninterne Angelegenheit" und schulisch höchstens Pubertären in der Bio-Stunde zuzumuten. Aber keine Bange: "Die AfD-Fraktion ist im sächsischen Landtag auch dafür angetreten, solche Fehlentwicklungen an Sachsens Schulen zu verhindern."