Immer häufiger komme es vor, dass Vermieter auf ihren Kosten sitzen blieben, sagte die Direktorin des Verbandes der sächsischen Immobilienwirtschaft (vdw), Margitta Faßl, in einem Gespräch.
Die Kosten der Unterkunft für Hartz IV-Empfänger seien in Sachsen innerhalb eines Jahres in den Landkreisen um sieben und in den Städten um durchschnittlich 14 Prozent gestiegen. "Das belastet auch die Wohnungsunternehmen", sagte Faßl.
Zunehmend werde von Seiten der Kommunen oder Arbeitsgemeinschaften (Arge) versucht, über die Mietpreise zu verhandeln, um billigeren Wohnraum zu bekommen. "Kein Mensch würde auf die Idee kommen, mit einem Fernwärmelieferanten über seinen Preis zu verhandeln. Bei der Wohnungswirtschaft wird das hingegen versucht", sagte die Verbandsdirektorin.
Sie empfahl eine genaue Abwägung im Einzelfall bevor ein Umzug in die Wege geleitet wird. Generell könne es aber nicht darum gehen, für Hartz-IV-Empfänger die Mieten zu drücken.
Mit den Betriebskostenabrechnungen stehe auch das Thema Nachzahlung im Raum. "Manche Mieter interessiert das nicht. Sie durchblicken wohl nicht, dass sie als säumige Zahler ihre Wohnung riskieren", sagte Faßl. Zunehmend verweigerten aber auch Kommunen oder Arbeitsgemeinschaften, die Kosten für Nachzahlungen zu übernehmen mit. "Es ist aber den Vermietern nicht zuzumuten, dass sie auf ihren Kosten hocken bleiben." Hier müsse die Politik reagieren. "Es müssen klare Aussagen von der Politik kommen, was von den Leistungserbringern übernommen werden muss und was nicht." Etliche Wohnungsunternehmen haben laut Faßl zwischenzeitlich ein eigenes Sozialmanagement installiert. "Sie gehen zu Pro blem-Mietern, reden mit ihnen, versuchen gemeinsam Lösungen zu finden", erläuterte Faßl. Dies sei eigentlich eine Pflichtaufgabe der öffentlichen Hand. Die Ankündigung der Bundesregierung, sich 2007 mit 4,3 Milliarden Euro an den Unterbringungskosten für Langzeitarbeitslose zu beteiligen, begrüßt der Verband. Zugleich ist er skeptisch, ob dies angesichts der anhaltenden Verteuerung ausreichend ist.
Im vdw Sachsen sind 144 kommunale Wohnungsunternehmen und Genossenschaften organisiert. Sie bewirtschaften rund 402 000 Wohnungen und damit 17 Prozent des Wohnungsbestandes im Freistaat. (dpa/mb)