Insgesamt 29 Proben von Keltertrauben hat die Dresdner Landesuntersuchungsanstalt (LUA) auf Pflanzenschutzmittel untersucht. In 27 Proben fanden sich keine nicht zugelassenen Substanzen. Zwei Proben indes enthielten das Pflanzenschutzmittel Spiroxamin. Der Stoff ist in Deutschland seit 2010 nicht mehr für den Weinbau zugelassen. Spiroxamin dient zur Bekämpfung von Schimmelpilzen. Die beiden betreffenden Proben stammen von zwei Erzeugern, "die im Rahmen des bisherigen Geschehens nicht auffällig geworden sind", heißt es aus dem Dresdner Verbraucherschutzministerium.

Nachdem Anfang des Jahres Nachrichten über Pflanzenschutzmittel im sächsischen Wein die Runde machten, hat der Freistaat die Qualitätskontrolle übernommen. Zuvor waren die Landkreise für die Weinprüfung zuständig. Die Landesuntersuchungsanstalt will zudem mehr und öfter prüfen. Mit dieser Qualitätsoffensive aus engmaschigen Kontrollen will Ministerin Barbara Klepsch (CDU) den Ruf der sächsischen Weine nachhaltig sichern. "Unerlaubte Substanzen haben in sächsischen Weinen nichts zu suchen", sagt Klepsch. Für die mit Spiroxamin kontaminierten Weine heißt das: Daumen runter. Sie dürfen nicht in den Verkauf gelangen.

Ende Januar wurde bekannt, dass das Landratsamt Meißen Tausende Liter Wein aus dem Verkehr gezogen hatte. In einer Zufallsstichprobe fanden die Lebensmittelprüfer Rückstände der Substanz Dimethoat in Goldriesling-Trauben. Das Insektengift ist im Weinbau verboten - nicht jedoch im Obst- und Gemüseanbau. Die Spur führte in eine der renommierten Kellereien in Diesbar-Seußlitz bei Meißen.

Schnell war die Rede von einer Panne, für die der betroffene Betrieb nichts könne. Dort hieß es, das Mittel sei nicht auf den Weinstöcken eingesetzt worden, sondern auf Obstbüschen an den Rändern der Weinberge. Noch vor der Abfüllung in Flaschen wurde die Traubencharge komplett gesperrt. Betroffen war damals auch die Winzergenossenschaft in Meißen. Der größte Erzeuger in der Region hatte nach den ersten Nachrichten über Pestizide seine eigene 2015er-Produktion kontrolliert - und wurde fündig.

Für den sächsischen Weinbau ist der Pestizid-Skandal ein schwerer Schlag mit noch unabsehbaren Folgen. Um Absatzdellen abzuschwächen, wurde auch die Politik aktiv. Die Linken forderten im Juni im Landtag einen Schutzschirm für Sachsens Weinbauern. Finanzielle Hilfen für die Betriebe sind aber nicht mehrheitsfähig.

Die Regierungsfraktionen von CDU und SPD wie auch die Grünen setzen dagegen auf verstärkte Kontrollen. Als schnelle Hilfe hat Klepschs Ministerium im Frühjahr ein Sonder-Überwachungsprogramm angeordnet. Dafür nahm die Untersuchungsanstalt in 39 noch unkontrollierten Betrieben Proben und führte an die 100 zusätzliche Analysen durch. Ergebnis: Sechs dieser Hersteller hatten unerlaubte Pflanzenschutzmittel im Wein - ein Betrieb sogar sehr viel. Schwarze Schafe nach Ansicht der Ministerin. Kontrolliert wird nun auch das weniger edle Segment. Auch den Landwein knöpfen sich die Kontrolleure ab dieser Saison mit einem Sonderprogramm vor.