Ein besonders krasses Beispiel ist Leipzig. Dort steigt der Beitrag im kommenden Sommersemester drastisch um 15 auf dann 70 Euro. Mit der Erhöhung liegt das Studentenwerk dann sogar über denen in Dresden (69,50 Euro) und Freiberg (68 Euro), die zum Teil bereits in den vergangenen Semestern auf die sinkenden Zuschüsse reagiert hatten.

Gegen Kürzungen an den sächsischen Universitäten und Hochschulen haben Studentenvertretungen Proteste angekündigt. Für den heutigen Montag ist eine Demonstration in Leipzig geplant.

Versorgungsauftrag gefährdet

„Das Land zieht sich seit mehreren Jahren kontinuierlich zurück aus der Finanzierung der sozialen Unterstützung für die Studierenden“, sagt die Geschäftsführerin des Studentenwerks Leipzig, Andrea Diekhof. Erhielt das Leipziger Studentenwerk im Jahr 2001 noch umgerechnet 3,47 Millionen Euro vom Freistaat, werden es im kommenden Jahr nur noch 1,41 Millionen Euro sein. Durch die Einsparungen sieht das Studentenwerk sogar den gesetzlichen Versorgungsauftrag gefährdet. Leidtragende seien die Studenten, die ab kommendem Semester einen dreimal so hohen Anteil zur Finanzierung der vergünstigten Essen beitrügen wie der Freistaat, teilt das Leipziger Studentenwerk mit.

Auch in den anderen Studentenwerken sind die Beiträge in den vergangenen Semestern gestiegen. In Dresden, wo die Zuschüsse von umgerechnet 5,16 Millionen im Jahr 2001 auf 2,28 Millionen Euro in diesem Jahr sanken, wurden die Semesterbeiträge bereits im vergangenen Sommersemester um acht Euro erhöht. Für Geschäftsführer Martin Richter ergibt sich aus den sinkenden Mensa-Zuschüssen zudem ein weiteres Problem.

„Das Geld ist für die Unterhaltung der Gebäude und für vergünstigte Essen vorgesehen, doch für die Essen bleibt mittlerweile kaum noch Geld übrig“, sagt Richter. Trotz knapper Kassen ist eine Reduzierung des Angebots nicht vorgesehen. „Wir haben Interesse daran, möglichst viele Essen anzubieten, da wir durch ein ausdifferenziertes Angebot mehr Geld verdienen können.“

Besorgt zeigt sich auch das Studentenwerk Chemnitz-Zwickau. „Die Entscheidung des Freistaats, die Zuschüsse immer stärker zurückzufahren, bewerten wir kritisch“, sagt Pressesprecher Jörg Seidel. Selbst eine immer bessere Effizienz des Mensabetriebes könne die sinkenden Zuschüsse nicht ausgleichen. Aus diesem Grund wurden die Semesterbeiträge im Wintersemester 07/08 zunächst auf 46 Euro, im Sommersemester 2011 auf aktuell 58,10 Euro erhöht.

Stabil blieben die Semesterbeiträge in den vergangenen vier Jahren hingegen für Freiberger Studenten mit aktuell 68 Euro. In Mittweida werden 65 Euro fällig. Nach Angaben des Studentenwerks sanken jedoch auch dort die Zuschüsse von 2,46 Millionen Euro im Jahr 2001 auf rund 1,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

Einkaufskooperation im Osten

Das Wissenschaftsministerium in Dresden begründet die Einsparungen mit der schlechten Haushaltslage. „In allen Bereichen ist es zu erheblichen Kürzungen gekommen, leider sind davon auch die Zuschüsse für die Studentenwerke betroffen“, sagt Sprecherin Annett Hofmann. Insgesamt sei die Situation der Studentenwerke wegen ihrer Spar-Anstrengungen dennoch zufriedenstellend. Kosten gesenkt werden demnach unter anderem mit einem Zusammenschluss aller Studentenwerke aus den neuen Bundesländern zur „Einkaufskooperation Ost“.