"Der Wolf hat den Landtag erreicht", sagt Jens Michel, CDU-Abgeordneter aus der Sächsischen Schweiz. Leute aus seinem Wahlkreis haben Unterschriften gesammelt gegen Minister Kupfers Jagdgesetz. In drei Monaten unterzeichneten knapp 9000 besorgte Menschen aus ganz Sachsen.

Gerade die Schafzüchter sind sauer, dass der Wolf nun zwar im Jagdgesetz steht, aber nicht gejagt werden darf. Diese Regelung ist seit September in Kraft, nun proben auch einige CDU-Wahlkreisabgeordnete den Aufstand.

In einem fraktionsinternen Schreiben, das der RUNDSCHAU vorliegt, weisen sie auf die "Kosten, Mühen und Furcht" hin, die der Wolf der Bevölkerung beschere. "Über den Imagegewinn der Bezeichnung als Wolfsgebiet lässt sich trefflich streiten", heißt es darin. Die Parlamentarier schlagen weiter vor, das Wolfsmanagement im Freistaat dem Landesjagdverband zu übertragen.

Davon hält Kupfer gar nichts: "Das Wolfsmanagement im Freistaat Sachsen ist als Ergebnis eines breiten gesellschaftlichen Konsenses entstanden", erklärte Kupfer am Donnerstag auf Anfrage. Er sehe keinen Grund, die bestehende Regelung zu ändern.

Laut Jagdgesetz gelten die sich stetig ausbreitenden Wölfe als schützenswerte Art, an deren Beobachtung nun auch die Jäger beteiligt sind. Jäger und Schäfer sind indes die schärfsten Kritiker der Wiederansiedlung des Raubtiers, das von Osten her Sachsen wiederbesiedelt.

"Es ist uns wenig verständlich, warum wir uns das antun müssen", sagt Manfred Horn, Schäfermeister aus Neustadt in der Sächsischen Schweiz. Horn reichte am Donnerstag die Massenpetition gegen die "uneingeschränkte Ausbreitung" des Wolfs beim Landtag ein. "Die Menschen haben echte Befürchtungen", so Horn. Umweltminister Kupfer bedauert indes, dass die Diskussion um den Wolf zu emotional geführt werde: "Wir haben nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir rotten den Wolf aus oder wir schützen ihn. Die zweite Variante halte ich für besser." Für Johannes Lichdi, Umweltsprecher der Grünen-Landtagsfraktion, haben die Ängste vor dem Wolf keinen rationalen Hintergrund: "Wir sollten stolz sein, dass wir in Sachsen ein europaweit beispielhaftes Artenschutzprogramm umsetzen", sagte Lichdi. "Mir ist nicht bekannt, dass der Wolf eine Gefahr für den Menschen darstellt." Wer die Schutzmaßnahmen fachgerecht umsetze, für den sei der Wolf kein Problem.

Die rebellierenden Schäfer verweisen indes auf eigene Beobachtung. "Mir hat der Wolf fünf Schafe gerissen, trotz Herdenschutzhunden", berichtet Manfred Horn. Er könne nachts nicht mehr schlafen aus Angst um seine 200 Mutterschafe. Dagegen würden nur scharfe Hunde helfen und hohe Zäune - was aber nicht gerade zum Wohlfühlen einlade.

Anwohner sagen, sie fühlten sich zu Hause wie im Hochsicherheitstrakt. "Ich bin bewusst von der Stadt aufs Dorf gezogen, weil ich Ruhe haben wollte", sagte am Donnerstag ein Unterzeichner der Petition im Landtag. "Viele sagen bei uns schon: Das ist nicht mehr die Ursprünglichkeit hier im Dorf."