Sachsens Radfahrer leben gefährlich. Allein im vergangenen Jahr verunglückten auf Sachsens Straßen knapp 3900 Radfahrer - 25 wurden getötet. Fast 800 Verletzte mehr als noch 2010, das ergab eine Große Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion. Die Partei, die traditionelle politische Vertretung der nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmer, hat nun für den morgigen Samstag eine große Sächsische Radkonferenz im Dresdner Landtag anberaumt. Die soll der schwarz-gelben Staatsregierung Impulse für ein Radverkehrskonzept geben.

Neben der mangelnden Sicherheit hat das Radeln in Sachsen noch ein Image-Problem. Olaf Matthies, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), bescheinigt dem Verkehrsministerium ein "gewisses Desinteresse" an den Belangen der Menschen, die ihre täglichen Wege vorzugsweise mit dem Rad erledigen. Das Zerrbild der Kampfradler, die sich im Stadtverkehr ohne Rücksicht auf Re-geln und Verluste ihren Weg bahnen, ist laut Matthies ebenso falsch wie verbreitet.

In der Tat finden die Radfahrer im daumendicken "Landesverkehrsplan 2025" des sächsischen Verkehrsministers Sven Morlok (FDP) nur auf anderthalb Seiten statt - und werden dort noch gemeinsam mit den Fußgängern abgehandelt. Zwar nennt der Verkehrsplan das Ziel, "auf ein fahrradfreundliches Klima in Sachsen hinzuwirken", aber dafür vermisst die Grünen-Verkehrssprecherin Eva Jähnigen den praktischen Beweis. Radverkehrsförderung werde von der schwarz-gelben Staatsregierung "bestenfalls als Randthema abgetan", moniert Jähnigen.

Dabei wird das Rad offenbar immer beliebter. Laut einer Verkehrsbefragung der TU Dresden, die die Grünen-Abgeordnete zitiert, steigt der Anteil der mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege beständig. In Dresden liege dieser Anteil derzeit bei 16 Prozent, in Leipzig bei 14,4. Spitzenreiter sind die Dresdner Vororte Coswig und Radebeul. Dort stellten die Forscher 21,5 Prozent fest.

Dennoch ergibt sich aus den Zahlen auch, dass das Fahrrad als alltägliches Verkehrsmittel eine Stadt-Erscheinung bleibt. Abseits der Ballungsräume fehlt es laut Eva Jähnigen an der nötigen Infrastruktur. Ein Radstreifen, der mittels Markierung von der Fahrbahn abgetrennt wird, kostet zwar wenig, ist aber eine Seltenheit. Nur an neun Prozent der sächsischen Staatsstraßen und einem Viertel der Bundesstraßen führen Radstreifen oder Radwege entlang. Die wären aber wichtig, damit Leute zum Arbeitsweg und Schüler zum Schulweg wieder aufs Rad steigen.

Wer also ein fahrradfreundliches Klima im Freistaat will, müsste hier investieren. Für diesen Zweck fordert Jähnigen 15 Millionen Euro im Doppelhaushalt 2013/14.