Dessen Name ist in der Öffentlichkeit bisher kaum bekannt, obwohl das 55-jährige Nordlicht Umweltminister und Vize-Regierungschef in der rot-roten Koalition von Schwerin ist. Methling gilt als Mann, der im Hintergrund agiert. Entsprechend nebulös fällt auch seine Antwort auf den Vorschlag aus. Er sei zwar "durchaus bereit, Verantwortung im Bundesvorstand zu übernehmen", erklärte der Vize-Premier gestern gegenüber der RUNDSCHAU, schob jedoch nach: "Ich kann es mir im Moment aber nur schwer vorstellen, die Ämter als Vize-Ministerpräsident, Umweltminister und Parteivorsitzender gleichzeitig unter einen Hut zu bringen."
Damit sind die Genossen so klug wie zuvor. Die Landeschefs wollen nun versuchen, sich auf eine Liste für einen komplett neuen Vorstand zu einigen und ihren Vorschlag dem Sonderparteitag voraussichtlich Ende Juni vorzulegen, kündigte Ernst an. Geht es nach ihr, soll auch die Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch mit in den Bundesvorstand aufrücken. Außerdem würden in den nächsten Tagen Namen aus Sachsen ins Spiel gebracht. Ernst selbst will aber nicht kandidieren. Auch eine Kür des Alt-Vorsitzenden Lothar Bisky lehnen die Sachsen ab.
Für Ernst steht und fällt die Zukunft der PDS mit einem neuen Personaltableau: "Entweder wir kriegen das hin, oder das Ding geht ein." Auf die neue Führungsriege warten schwere Aufgaben: Der Vorstand solle die Partei reorganisieren, die Wahlen bis 2006 vorbereiten, Bund und Länder koordinieren und bundesweit Gehör finden, sagt Ernst. "Die PDS muss Widerstandskraft sein und zugleich Gestaltungsvorschläge für das irdische Leben machen." Der alte Vorstand habe die Erneuerung verschlafen. Ernst: "Das hat uns bitter geschadet. So kann es nicht weitergehen." Damit übt sie zugleich Selbstkritik. Die Sachsen hatten sich auf dem Geraer Parteitag im Oktober massiv für Zimmer eingesetzt und waren mit Fraktionschef Peter Porsch sowie Heidemarie Lüth stark im Bundesvorstand vertreten.
Auf Landesebene wollen die Sozialisten schon am Wochenende in Weinböhla bei Dresden Nägel mit Köpfen machen. Fraktionschef Peter Porsch soll von den 200 Delegierten als Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 19. September 2004 gewählt werden, um die absolute Mehrheit der CDU zu brechen. Zu Beginn der Tagung wird Parteichefin Zimmer vor den Genossen auftreten. Für Diskussionsstoff ist damit gesorgt.