Die Entscheidung des Landesparteirats, keine Koalitionsverhandlungen mit der CDU aufnehmen zu wollen, bezeichnete Hermenau als falsch.

Die rund 100 Delegierten des Parteitages waren dem Votum des Parteirats mit großer Mehrheit gefolgt. Die Grünen seien mit der schwarz-grünen Option in den Wahlkampf gegangen, sagte Hermenau, die zusammen mit dem Landesvorsitzenden Volkmar Zschocke als Spitzen-Duo angetreten war. Jetzt stellten sie sich als linke Partei neu auf. "Ich will mich nicht beschweren, ich will das nicht behindern. Lebt wohl!", sagte sie den Delegierten.

Vor Journalisten sagte Hermenau, sie wolle politisch nicht noch einmal von vorne anfangen und werde künftig als Beraterin tätig sein. Schon kurz nach der Wahl hatte Hermenau ihren Verzicht auf eine erneute Kandidatur als Fraktionsvorsitzende erklärt. Grünen-Landeschef Zschocke bedauerte den Rückzug: "Antje Hermenau war das Gesicht der sächsischen Grünen."

Vor den Delegierten hatte er zuvor das Nein zu einer schwarz-grünen Zusammenarbeit begründet. Die Sondierungen mit der Union hätten keine Basis dafür ergeben. Als Knackpunkte nannte er die Energie- und die Bildungspolitik. Die Grünen hatten bei der Landtagswahl am 31. August 5,7 Prozent erhalten und sind künftig noch mit acht Abgeordneten im Landtag vertreten - einem weniger als bisher. CDU und SPD hatten am Freitag beschlossen, Koalitionsverhandlungen aufzunehmen.

Der Finanzexperte der CDU-Landtagsfraktion, Jens Michel, hat den Rückzug seiner Grünen-Kollegin Hermenau als Verlust bezeichnet. "Die politische Landschaft und der Landtag im Freistaat Sachsen verlieren mit dem Ausscheiden von Antje Hermenau eine anerkannte Finanzexpertin", erklärte er am Sonntag. Hermenau habe für ihre Überzeugung stets "scharfzüngig und trefflich" gestritten, aber Argumenten auch immer offen gegenübergestanden und das Gemeinwohl im Blick gehabt.

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