"Ja, mit Gottes Hilfe", sagt Rentzing. Daraufhin überreicht Ulrich dem im Juni mit nur einer Stimme Mehrheit gewählten, 47-jährigen Pfarrer aus Markneukirchen das Amtskreuz, und segnet ihn.

Rentzing ist nun Landesbischof der rund 700 000 Mitglieder zählenden Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Auf der Kanzel der Kreuzkirche findet Rentzing dann deutliche Worte zum Umgang mit Flüchtlingen in Sachsen. "Notleidenden Menschen mit Hass und Ablehnung zu begegnen, entspricht niemals dem Geiste Christi", sagt Rentzing. Menschenhass und Gewalt könnten nur entschiedenen Widerspruch der Kirche hervorrufen. "So sehr auch politische Debatten erlaubt sein müssen - über die Frage, wie wir uns als Christen Flüchtlingen gegenüber zu verhalten hätten, die an unsere Türen klopfen und Schutz und Hilfe suchen, kann es keine Debatte geben."

Vor der Kirche demonstrieren am Samstag Gläubige mit einem Transparent. "Stoppt Homophobie" steht darauf. Mehrfach hatte sich Rentzing gegen praktizierte Homosexualität in der Kirche ausgesprochen.

Die sächsische Kirche ist bei diesem Thema gespalten, auf Synoden gab es hitzigen Streit. Auch am Samstag wurde das deutlich: Als die 600 anwesenden Pfarrer aus der Kirche ausziehen, löst sich aus der Menschenmenge ein Mann. Er stellt sich vor das Transparent - und verdeckt die Buchstaben "phobie" mit seinem Sakko.