Nach dem Wahlsonntag steht Sachsens FDP allein auf weiter Flur. Mit dem Rauswurf aus dem Bundestag und der gestürzten schwarz-gelben Koalition in Hessen halten allein die Liberalen im Freistaat Regierungsverantwortung auf Landesebene.

In dieser Rolle komme dem Landesverband eine "fast historische Verantwortung" zu, sagte Generalsekretär Torsten Herbst gestern in Dresden. Mit Blick auf die personelle Neuordnung an der Bundesspitze machte Herbst geltend, dass Sachsens Landesverbandschef Holger Zastrow "eine profilierte Persönlichkeit innerhalb der FDP" sei.

Und das, obwohl das Ergebnis der FDP in Sachsen mit 3,1 Prozent noch weit unter dem historischen Tief auf Bundesebene von 4,8 Prozent lag. Schuld am Absturz waren, so Herbst, eigene Fehler sowie der Umstand, "zwischen Union und AfD ein Stück weit zwischen die Räder gekommen" zu sein. Aber auch das ruinöse Buhlen um Mitleid in der letzten Wahlkampfwoche: "Wenn man eine Zweitstimmenkampagne macht, dann mit Haltung", betonte Herbst im Nachhinein.

Trotz magerer 20 Prozent erstaunlich guter Dinge zeigte sich gestern Linken-Landeschef Rico Gebhardt. Man habe eigentlich alle Wahlziele erreicht und freue sich über acht Abgeordnete im neuen Bundestag. Man habe zudem "als mitgliederstärkster Landesverband einen besonderen Beitrag zum Gesamtergebnis der Linken" beigetragen, freute sich Gebhardt. Der gleich noch bei SPD und Grünen für ein rot-rot-grünes Alternativbündnis nach der Landtagswahl 2014 warb: "Es geht nicht um eine Liebesheirat, sondern um ein Bündnis für fünf Jahre." Derlei Avancen wurden bislang dankend abgelehn t.

Auch am Montag hatten die Oppositionsparteien andere Sorgen. So hat Sachsens SPD-Landesverband gerade mit Blick auf die kommende Landtagswahl keine Lust auf die Große Koalition, auf die es derzeit im Bund hinausläuft. "Es haben ja nun schon zwei Parteien die Erfahrung gemacht, was bei einer Koalition mit Angela Merkel aus ihnen wird", sagte Generalsekretär Dirk Panter. Ein Plus von 15 000 Stimmen konnten die Genossen im Freistaat verbuchen. Die erreichten 14,6 Prozent sind für die kleine Sachsen-SPD nicht schlecht. Dass es noch nicht für mehr gereicht hat, führt Panter auf ein "grundlegendes Glaubwürdigkeitsproblem" der Sozialdemokraten im Osten zurück.

Au c h Sachsens Grüne hielten sich gestern nicht mit rot-rot-grünen Plänen in Sachsen auf. Man wolle zwar "mit allen Parteien sehr offen sprechen", sagte Landesvorsitzender Volkmar Zschocke, sehe aber dennoch mit der CDU "geringste Übereinstimmunge n".

Das sieht die Union ähnlich. Deren Generalsekretär Michael Kretschmar hält schwarz-grüne Koalitionsüberlegungen "zum jetzigen Zeitpunkt für eine Phantomdiskussion". Wenn überhaupt, müssten sich die Grünen schon deutlich auf die CDU zubewegen .

Kretschmer war am Montag allerbester Laune. Der 38-Jährige hat in seinem Wahlkreis Görlitz mit 49,6 Prozent ein Plus von sieben Punkten eingefahren. Mit den 42,2 Prozent im Freistaat will der Landesverband nun in Berlin punkten. Schließlich habe der Landesverband "die Kanzlerin mit gemacht". Kretschmer will sicherstellen, "dass wir auch in Zukunft ein gewichtiges Wort in Berlin mitreden, wenn es um Funktionen geht". Welche Funktion ihm vorschwebt, sagte er gestern nicht, betonte aber, worum es der sächsischen Union jetzt thematisch geht. Deren Hauptanliegen ist ein Neudenken der Energiewende. So, wie die im Moment laufe, ist die für Kretschmer die "Achillesferse der deutschen Volkswirtschaft".