Wie andere Landeskirchen leidet auch die sächsische Kirche unter einem stetigen Mitgliederschwund, sie ist dennoch eine Kirche mit Stabilität und Selbstbewusstsein.
Den gut 800 Gemeinden gehören rund 830 000 Christen an. 1997 wurde noch rund eine Million gezählt. Das Gebiet der Landeskirche, an deren Spitze seit 2004 Bischof Jochen Bohl steht, ist etwas kleiner als der Freistaat. Auf dessen Fläche liegen auch Teile der Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.
Sachsen ist ein Kernland des Protestantismus, der 1539 in das heutige Gebiet kam. Dennoch wurde der erste Landesbischof erst 1922 nach der Trennung von Staat und Kirche gewählt. Heute verfügt die sächsische Kirche über einen direkten Draht ins Kanzleramt. Kanzleramtsminister Thomas de Maiziere (CDU) ist Mitglied der sächsischen Landessynode.
In der jüngsten Vergangenheit hat es aufgrund von Sparzwängen teilweise drastische Einschnitte gegeben. Stellen wurden gestrichen, Gemeinden zusammengelegt. 2006 beschloss die Synode eine umfassende Verwaltungsreform, um Kosten zu sparen. Unter anderem wurden Kirchengemeinden verpflichtet, große Teile ihrer Verwaltung an neue Zentren abzugeben. Der Beschluss war von Protesten begleitet. Über eine von zahlreichen Gemeinden unterstützte Klage wurde noch nicht entschieden.
Die gegenwärtigen Schwierigkeiten haben das Selbstbewusstsein der evangelischen Christen in Sachsen vielleicht erschüttert, aber nicht zerstört. Die friedliche Revolution in der DDR wurzelt stark in den Kirchen Dresdens und Leipzigs. Die Ruine der Frauenkirche, an der sich Christen zum gemeinsamen Kerzengedenken trafen, wurde in den 80er-Jahren zum Symbol der kirchlichen DDR-Friedensbewegung.
Ausdruck des Selbstbewusstseins der Sachsen ist auch die Wandlung der Frauenkirche vom Friedenssymbol zu einem neuen Wahrzeichen des Protes tantismus. Seit 2005 prägt die mächtige Sandsteinkuppel der Kirche, die seitdem von Millionen Menschen besucht wurde, wieder die Skyline der Landeshauptstadt Dresden. Und die Landeskirche.