Das Warten auf das erste frische Karpfen-Gericht hat ein Ende. Seit einigen Tagen werfen Sachsens Teichwirte wieder ihre Netze aus, um den beliebten Speisefisch an Land zu ziehen. Mit dem Abfischen in Quitzdorf am See begann am Vormittag die diesjährige Karpfensaison.

Bis November gibt es für Besucher an zahlreichen Teichen im Freistaat ein Schaufischen, das in der Regel als Volksfest zelebriert wird. Agrarminister Frank Kupfer (CDU) dämpfte die Erwartungen auf eine reiche Ernte: "Das Hochwasser im Juni hat leider auch bei einigen Fischereibetrieben großen Schaden angerichtet.

Viele Fische sind aus den Fischzuchtanlagen entkommen", sagte er. "Wir rechnen trotzdem mit ungefähr der gleichen Menge Speisekarpfen wie in den vergangenen Jahren - das sind rund 2000 Tonnen." Die Zeiten der großen Fischzüge in Sachsen liegen schon ein paar Jahre zurück. In den 1990er-Jahren wurden regelmäßig Mengen von mehr als 3000 Tonnen pro Jahr erreicht.

Aber nicht nur gefräßige Kormorane und der Koi-Herpes-Virus machten den Teichwirten in Sachsen zu schaffen. Gerade bei jungen Menschen haben Karpfen auch ein Imageproblem. Die sogenannte Generation Lachs greift lieber zu grätenfreien Filets aus der Tiefkühltruhe.

Dabei ist Karpfen nach Einschätzung der Ernährungswissenschaft ein sehr gesunder Fisch. Er hat fünfmal weniger Fett als ein Lachs und besitzt zudem wertvolle Inhaltsstoffe. Karpfen sind vergleichsweise vitaminreich und können mit Proteinen punkten. Sie fressen in ihrem etwa drei Jahre langen Leben zudem viel Naturnahrung wie Wasserflöhe und Mückenlarven.

Zum Thema:
Sachsen gilt neben Bayern als deutsche Karpfenhochburg. Nirgendwo ist der Karpfen so beliebt wie in den beiden Freistaaten. 2012 erzeugten etwa 370 Betriebe Sachsens insgesamt 2300 Tonnen Speisefisch. Das ist nach Bayern und Baden-Württemberg die drittgrößte Menge. Traditionell überwiegt in Sachsen die Karpfenproduktion. Im vergangenen Jahr waren das 2000 Tonnen. Weitere bedeutende Fischarten sind Regenbogenforelle (200 Tonnen) und Schleie (100 Tonnen). Regional konzentrieren sich die Teichwirtschaften für Karpfen in den Landkreisen Bautzen und Görlitz.