"Wenn die Polizei mehr ermittelt, kommt auch mehr bei den Gerichten und Staatsanwälten an", sagt der CDU-Landtagsabgeordnete Martin Modschiedler. Es dürfe nicht passieren, dass Verfahren liegenblieben, weil das Personal fehlt. Modschiedler, selbst Rechtsanwalt in Dresden, fordert eine "angemessene Ausstattung" der Justizapparate. Eine Personalaufstockung bei Staatsanwälten und Strafvollzugsbeamten sei dringend nötig. Die Forderung kommt noch rechtzeitig vor dem offiziellen Start der Verhandlungen zum Doppelhaushalt 2017/18.

Bei den Richtern hat die CDU-SPD-Regierung bereits aufgestockt. Im Sommer beantragte Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) 20 zusätzliche Richterstellen für die drei Verwaltungsgerichte in Leipzig, Dresden und Chemnitz. Die ersten wurden im Oktober eingestellt, der Rest soll im Januar folgen.

Aufhänger für das Stellenplus sind die massiv gestiegenen Verfahren abgelehnter Asylbewerber. Fast die Hälfte von ihnen legt Rechtsmittel ein. Ein normales Hauptsacheverfahren läuft derzeit über etwa neun Monate, im Eilverfahren ist es mittlerweile durchschnittlich nur noch knapp über einen Monat.

Aber da ist auch noch die schwierige Altersstruktur in der sächsischen Justiz. Derzeit beschäftigt der Freistaat rund 1000 Richter und 350 Staatsanwälte. Ein Drittel der Richter gehört den Geburtsjahrgängen zwischen 1958 und 1962 an. Der Generationenknick hat seine Ursache in den frühen 90er-Jahren. Damals kamen auf einen Schlag frisch examinierte Juristen Anfang 30 aus Bayern oder Baden-Württemberg, um die sächsischen Gerichte und Amtsstuben zu besetzen. So jung die Justiz im Freistaat damals war, so alt wird sie 2024 sein, wenn ebendiese Leute fast gleichzeitig altersbedingt aus dem Dienst scheiden. Das kann sich schon in wenigen Jahren fatal auswirken. Schon seit Jahren warnen Justizexperten vor dem Personalnotstand, der in etwa zehn Jahren eintreten kann, wenn nicht vorausschauend Personal eingestellt würde. Für die Haushaltsjahre 2015 und 2016 bewilligte das Kabinett deshalb 30 zusätzliche Stellen für Richter und Staatsanwälte. Dazu weitere Wachtmeister sowie Psychologen und Sozialarbeiter für den Justizvollzug.

Ähnlich wie bei Lehrern und Polizisten ist es aber auch bei den Juristen schwierig, geeignetes Personal zu finden. Für den höheren juristischen Dienst kommen im Schnitt 30 bis 40 Absolventen eines Jahrgangs in Frage. Die aber bleiben nicht unbedingt alle in Sachsen. Oder sie gehen gleich in die Wirtschaft, wo besser verdient wird. Länder wie Baden-Württemberg zum Beispiel, sagt CDU-Rechtsexperte Modschiedler, "gehen deutlich großzügiger rein, als wir in Sachsen das können".

Für den Doppelhaushalt 2017/18, der Ende nächsten Jahres vorliegen soll, laufen bereits die Verhandlungen um die Eckwerte der Koalitionsfraktionen.