Die Dramaturgin Christin Bahnert (33) aus Dresden und der Leipziger Rechtsanwalt Jürgen Kasek (34) bilden künftig die Doppelspitze bei den sächsischen Grünen. Bahnert erhielt am Samstag auf einem Parteitag in ihrer Heimatstadt 63,6 Prozent der Stimmen, Kasek kam auf 63,8 Prozent. Der Landesvorstand wird komplettiert von der stellvertretenden Landesvorstandssprecherin Catharina Jäger (27) und Schatzmeister Sascha Thümmler (38). Die Dresdnerin Jäger ist Mediengestalterin und bekam 93,7 Prozent der Stimmen, der Chemnitzer Finanzwirt Thümmler landete bei 92,8 Prozent.

Für die beiden Chefposten gab es jeweils zwei Bewerbungen, unterlegen waren Stefanie Gruner (34) aus Leipzig und Roland Gasch (44) aus Taucha. Bahnert überzeugte die knapp 120 Delegierten mit einer witzigen Rede, in der sie ihren Beruf als ideale Basis für einen Führungsposten bei den Grünen beschrieb. Bahnerts Weisheit: Wenn es im Theater gut läuft, wird der Erfolg den Schauspielern zugeschrieben. Wenn es anders kommt, zeigt man auf den Dramaturgen. Die bisherigen Landeschefs Claudia Maicher und Volkmar Zschocke traten nicht wieder an. Sie haben Ämter in der Landtagsfraktion.

Bei ihrem letzten Auftritt als Vorsitzende stellten Maicher und Zschocke am Samstag klar, dass die Grünen perspektivisch Verantwortung an der Spitze des Landes übernehmen wollen. "Wir Grüne sind offen für eine Zusammenarbeit mit der CDU, der SPD und der Linkspartei, wenn damit grüne Ziele umgesetzt werden", sagte Zschocke. Die Grünen würden sich an einer Koalition beteiligen, wenn sie darin Gestaltungsmöglichkeiten hätten. Dies gelte für Koalitionen mit allen demokratischen Parteien. Als Gast des Parteitages hörte CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer zu.

Maicher übte Kritik an Protesten gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in Sachsen. "Diese rassistische Stimmungsmache gefährdet Menschen. Das sind nicht einfach nur Meinungen, die auf die Straße getragen werden." Einstimmig verabschiedeten die Delegierten einen Antrag, der antimuslimischem Rassismus und Chauvinismus eine Absage erteilt. Von Sachsens Regierung wird verlangt, Diskriminierungen zurückzudrängen und nicht noch durch Äußerungen zu verstärken. Gemeint ist damit vor allem Innenminister Markus Ulbig (CDU), der eine Sondereinheit der Polizei für kriminelle Asylsuchende angekündigt hatte.

Zu Beginn des Parteitages am Freitag hatten die Grünen einstimmig einen Antrag zur Asylpolitik verabschiedet. Darin verlangt die Partei unter anderem Mindeststandards für die Unterbringung von Flüchtlingen, Änderungen bei der Abschiebepraxis und eine elektronische Gesundheitskarte für die medizinische Betreuung von Asylsuchenden. Am Samstag wurde bei einer Enthaltung ein Antrag zum Klimaschutz beschlossen. Die Grünen fordern einen schrittweisen und sozialverträglichen Ausstieg aus der Braunkohle in der Lausitz. Die CDU/SPD-Koalition in Sachsen halte an einem "Auslaufmodell" fest.

Bei der Landtagswahl hatten die Grünen im August 5,7 Prozent erhalten und waren anschließend enttäuscht von dem Abschneiden. Die Partei hat derzeit 1379 Mitglieder in Sachsen.

Zum Thema:
Die Dresdnerin Christin Bahnert (33) ist erst seit 2010 Mitglied bei den Grünen, hat sich aber seither in mehreren Bundesländern für die Partei engagiert. 2011 war sie bei der Landesarbeitsgemeinschaft Kultur in Thüringen aktiv, 2012 als Beisitzerin im Kreisvorstand Potsdam. Seit Herbst 2014 ist Bahnert Ortsbeirätin in Dresden. Sie trat hier auch als Direktkandidatin zur Landtagswahl an, schaffte aber nicht den Sprung in das Parlament. Bahnert studierte Theaterwissenschaft und arbeitet als freie Dramaturgin in Dresden. "Ich will Sprecherin sein, nicht Lautsprecher", brachte sie ihr Amtsverständnis auf den Punkt. Jürgen Kasek (34) stammt aus Leipzig und arbeitet dort als selbstständiger Rechtsanwalt. 1997 trat er den Grünen bei. 2007 übernahm er den Vorsitz des Kreisverbandes in Leipzig, den er nun abgibt. Als Chef der Grünen auf Landesebene will Kasek nach eigenem Bekunden mit einem "klaren ökologischen und bürgerrechtlichen Profil ansetzen und die Grünen wieder zum Impulsgeber in der sächsischen Politik machen". "Als Landesvorstandssprecher wird es meine Aufgabe sein, die Reihen zu schließen, Denkanstöße zu liefern und grüne Ideen nach außen zu tragen", schrieb Kasek in seiner Bewerbung.