Der Gesamtbetriebsrat der Vattenfall Europe Mining hat Vorwürfe zurückgewiesen, wonach der Verkauf der Braunkohlen-Sparte des schwedischen Energiekonzerns an die tschechische EPH-Gruppe nur ein Spekulationsgeschäft sei. "Die gesamte Energiewirtschaft hofft aktuell auf höhere Strompreise. Damit Geld zu verdienen, ist schwer", sagte Gesamtbetriebsratschef Rüdiger Siebers am Freitag auf einer Betriebsversammlung vor mehr als 300 Mitarbeitern in Cottbus.

Daraus könne aber nicht im Umkehrschluss gefolgert werden, dass es sich bei der Übernahme der Braunkohlen-Sparte durch EPH nur um eine Spekulation handele.

Die sächsischen Grünen hatten am Freitag nachdrücklich vor dem Verkauf an die EPH gewarnt. "Wenn jemand in ein Geschäft einsteigt, bei dem man heute noch nicht weiß, ob man damit Geld verdienen kann, ist das eine Spekulation", sagte der Energie-Experte Gerd Lippold (Grüne).

EPH habe zugesichert, den Vattenfall-Tarifvertrag zu übernehmen, und dass es bis Ende 2020 keine betriebsbedingten Entlassungen gebe, betonte Siebert. Spekulation sehe anders aus. Er denke, dass EPH die Braunkohlensparte zum 1. September von Vattenfall übernehmen werde.

Gegenüber der RUNDSCHAU fügte Siebers hinzu: "EPH setzt auf steigende Strompreise, wenn die Atomkraftwerke vom Netz sind." Das treffe aber auf alle Konzerne zu, die mit konventionellen Energieträgern Strom erzeugen. Für EPH und die Lausitz würden sich dabei gute Chancen ergeben, "weil wir über die effektivsten Tagebaue und die modernsten Kraftwerke verfügen".

Diese Entwicklung hin zu steigenden Strompreisen wird auch von Experten vorausgesagt. Für Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) baue EPH nicht auf Spekulationen, sondern trage vielmehr das unternehmerische Risiko. EPH sei sich im Klaren darüber, so der Minister im Gespräch mit der RUNDSCHAU, dass zurzeit kein Geld mit Kohlestrom zu verdienen sei. Dass der Energieträger aber wieder eine größere Rolle spielen werde.

Der Grüne Gerd Lippold spricht von einem Notverkauf: "Man steigt lieber aus, bevor es noch weniger wert ist." An dieser Situation könne auch ein neuer Eigentümer nicht drehen. "Da er die Ertragslage nicht ändern kann, bleiben ihm nur drei Optionen: bei der Belegschaft sparen, die freiwilligen Leistungen für die Region wie das Sponsoring abschaffen oder sich vor künftigen Verpflichtungen drücken."

Sollte der Verkauf trotz allem zustande kommen, geht es dem Abgeordneten darum, für künftige Verpflichtungen aus dem Bergbau Sicherheiten zu bekommen.

Zum Thema:
Das Verwaltungsgericht Dresden hat am Freitag einer Klage der Umweltgruppe Cottbus stattgegeben und den Landkreis Görlitz zur Herausgabe von Umweltdaten über ein vom Braunkoh letagebau Nochten zerstörtes Naturschutzgebiet verpflichtet. Wie die Umweltgruppe weiter informierte, hatte Tagebaubetreiber Vattenfall jahrelang versucht, die Herausgabe mit Verweis auf angebliches Urheberrecht zu verhindern. Der Tagebau Nochten hat das Naturschutzgebiet Urwald Weißwasser zerstört. red/bl