In der Sachsenlandhalle in Glauchau will der Landesverband einen neuen Vorstand und Parteirat wählen. Überraschungen sind dabei keine zu erwarten. Jürgen Kasek, der als Vorsitzender erneut antritt, bekommt eine neue Dame an die Seite, damit die Doppelspitze komplett ist: Auf Christin Bahnert folgt Christin Melcher. Die 33-jährige Melcher ist Chefin des Kreisverbands Leipzig.

Inhaltlich will die Partei auf ihrer 46. Landesversammlung die Weichen stellen für ihre weitere Entwicklung, vor allem für die Bundestagswahl 2017. Zwei Anträge liegen den 130 Delegierten vor. Zum einen befasst sich der Antrag "Für den Wandel in Sachsen - Zukunft Grün gestalten" mit den natürlichen Lebensgrundlagen, soziale Gerechtigkeit und Demokratie. Mit dem Antrag "Attraktive ländliche Räume" will die Parteiführung endlich den Sprung raus ins Land schaffen.

Denn jenseits der drei Großstädte sind die Grünen auch nach 26 Jahren immer noch eine Randerscheinung. Im Landtag stellen sie die mit acht Abgeordneten kleinste Fraktion. Im diese Woche veröffentlichten Sachsen-Trend kommen die Grünen auf sieben Prozent.

Das ist immerhin ein erkennbarer Zuwachs seit der Landtagswahl 2014, wo die Grünen auf 5,7 Prozent kamen. Kein Ergebnis zum stolz sein, aber es hatte noch eine Tücke: Auf einmal kamen die Kleinpartei als Koalitionspartner für die CDU infrage. Es kam sogar zu Sondierungsgesprächen, weiter aber auch nicht. Denn dann stiegen die Grünen aus, wegen unüberbrückbarer Gegensätze mit der übermächtigen Regierungspartei. Schließlich sprang die SPD ein, die Neuauflage der schwarz-roten Koalition regiert das Land nun seit zwei Jahren.

Von den Grünen war in dieser Zeit nicht viel zu hören. Der Chef der Landtagsfraktion, Volkmar Zschocke (47), setzt kaum Akzente. Wahrnehmbar als Parlamentarier sind am ehesten der Innenpolitiker Valentin Lippmann (25), die Bildungspolitikerin Petra Zais (59) und die Finanzfachfrau Franziska Schubert (34).

Ansonsten bestimmt Landeschef Jürgen Kasek das Bild mit seinen auch bei Parteifreunden nicht immer gern gesehenen Aktionen gegen rechts. Mit seinen Bus-Feldzügen in das angeblich von Rechtsextremen beherrschte "Kaltland" Sachsen bekommt der 36-jährige Anwalt aus Leipzig zwar allerlei Aufmerksamkeit. Aber als politische Tätigkeit ist das vielen Grünen zu wenig.

Bei der kommenden Bundestagswahl will Kasek nun drei Mandate für den Landesverband erringen, kündigte er gestern in Dresden an. Immerhin kann man Zuwachs verzeichnen. In den vergangenen Wochen haben sich 30 Neue bei den Grünen in Sachsen eingeschrieben. Das macht insgesamt 1417 Mitglieder.